Stellungnahme zu „Siegerkunst“

siegerkunst-bildverbot

Das Buch „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“ ist den markanten Veränderungen des Kunstbetriebs seit Beginn des 21. Jahrhunderts gewidmet. Eine Beobachtung ist, dass Künstler nicht mehr grundsätzlich eine Außenseiterrolle einnehmen, sondern in dem Maße, in dem sie Mächtige und Erfolgreiche (Sieger der Gesellschaft) als Kunden haben, selbst über Macht verfügen. Eine weitere Beobachtung besteht darin, dass künstlerische Arbeit oft nicht mehr auf die Werkproduktion beschränkt ist, sondern sich vieles, was im weiteren als Qualität gewürdigt wird, erst in der Postproduktion entscheidet. Für Künstler ist also die Art und Weise, wie sie z.B. in Interviews über sich und ihre Arbeit sprechen, das nachträgliche Transparentmachen ihrer Werkprozesse oder die wechselnde  Kontextualisierung ihrer Werke bedeutsam für ihr Ansehen und, vor allem, ihren Marktwert.

Beide Beobachtungen erfahren eine Zuspitzung, wenn man darauf aufmerksam wird, dass Künstler auch das Urheberrecht zunehmend dazu nutzen, Einfluss darauf zu nehmen, wie über sie geschrieben wird. Machtausübung und Postproduktion kumulieren in dem Versuch, durch das Verbot von Abbildungen zu verhindern, in einem Kontext aufzutauchen, der Wertschöpfungsambitionen zuwiderläuft oder kritisch ist. Tatsächlich kommt es immer häufiger vor, dass Autoren, die keine Eingriffe von Künstlern in ihre Texte zulassen, auch keine Werkreproduktionen mehr abbilden dürfen. Schlimmstenfalls kann das eine Publikation verhindern, sind Abbildungen doch eventuell unverzichtbar für die Verifikation eines Arguments. Auf jeden Fall aber beeinflusst es den Diskurs über Kunst erheblich. Es wird dazu führen, dass Kunstkritik, Kunstwissenschaft und Kunsttheorie – also genau die vom Kunstmarkt unabhängigen Gattungen – entweder auch noch zu willfährigen PR-Organen der Künstler, Galeristen und Sammler werden oder aber aufgrund der gegen sie betriebenen Sanktionspolitik immer weiter verkümmern.

Auch für „Siegerkunst“ wurde eine nennenswerte Anzahl von Abbildungen verboten. Hier sollen nun erstmals die jeweiligen Hintergründe dieser Verbote offengelegt werden. Damit lassen sich zugleich beliebte Strategien erkennen, wie das Urheberrecht heutzutage als Waffe gegen eine unabhängige Kunstliteratur verwendet wird.

Erläuterungen zu den einzelnen Verboten und Links zu den im Buch fehlenden Abbildungen sind zu finden unter: Siegerkunst – Stellungnahme

 

Comments 8

  1. Stefan Hetzel 6. Februar 2016

    @Wolfgang Ullrich: Danke für die Dokumentation, es scheint sich hier wirklich um offenbar fast schon „normale“ Übergriffe der PR-Abteilungen dieser Künstler auf die Publikationsfreiheit zu handeln. Gut, dass die Blogosphäre dem publizistisch ein wenig entgegentreten kann 🙂 Ich möchte sie, „Senior-Blogger“ (aktiv seit 2011), der ich bin, hiermit sehr herzlich in „der“ Blogosphäre begrüßen 🙂

    Vielleicht schauen Sie ja ab und zu mal rein in meine „Weltsicht aus der Nische“ (stefanhetzel.wordpress.com). Dort geht es zwar eher um Kunstmusik als um Bildende Kunst, aber was die analytisch-kritische Herangehensweise betrifft, glaube ich doch, eine gewisse Geistesverwandtschaft erkennen zu können.

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    • Kirsten 26. Juni 2017

      … bis es im ‚Blogs‘ auch vorbei ist. Dort wird leider auch viel rundum PR gemacht – und da sind Sie im Kommentar, herrn Hetzel, leider auch ein typisches Beispiel. Oder muß ich die ‚Vielleicht schauen‘-stelle die fast der hälfte ihrer Kommentar beinhalte und ihrer promotion zur Senior-Blogger anders interpretieren? Gibt es im Internet – oder im Blogs – überhaupt diese Freiheit – oder ist es ein medium der Selbstinszenierung und ständige Selbstpromotion? Deswegen: ich bin Kirsten aus den Niederlanden und interessiere mich für Kunst und Kultur… da ich leider aus den Niederlanden komm, ist mein Deutsch im Schrift nicht recht gut… habe kein blog, keine Facebook und so weiter… so Sie können nirgendwo vorbei schauen… soweit die eklige Selbstinszenierung.

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