Essay „Kunst & Flüchtlinge: Gewissensdienstleistung statt Empathie?“

Auf den Seiten des „Perlentaucher“ habe ich die überarbeitete Version eines Vortrags, den ich am 17. Juni 2016 auf dem Symposium „Ästhetischer Widerstand gegen Zerstörung und Selbstzerstörung“ in Erlangen gehalten habe, als Essay veröffentlicht:

„Die meisten Projekte, die Kunstaktivisten und Künstler im Verlauf des letzten Jahres zum Thema ‚Flüchtlinge’ gemacht haben, wecken bei mir Unbehagen. Sollte ich gerade die Aktionen, die am meisten Medienaufmerksamkeit bekommen haben, allgemein charakterisieren, kämen mir Adjektive wie ‚martialisch’, ‚indezent’ oder ‚kalt’ in den Sinn. Doch verweisen diese Eigenschaften auch auf die gesellschaftliche Funktion derartiger Kunstprojekte. Sie soll im Folgenden analysiert werden – am Leitfaden jenes Unbehagens.“

Hier geht es zum kompletten Essay!

Comments 2

  1. andreasrauth 12. Juli 2016

    Vielen Dank, für den interessanten Artikel – obwohl ich Ihnen in einigen Punkten nicht zustimme. Doch bevor ich näher darauf eingehe, eine Frage: kennen Sie denn auch gelungene Kunstprojekte zum Thema?

    Bei Olafur Eliasson, glaube ich, ist der Charakter des Banalen und Simplifizierenden der gesamten Aktion kaum zu verkennen und wirklich als peinlich zu bezeichnen. Hingegen ist die Arbeit von Ai Weiwei meiner Ansicht nach weitaus besser geeignet, zur Reflexion (und auch Einfühlung, die Sie ja vermissen) über das Flüchtlingsthema anzuregen. Die von Ihnen in den Rettungswestensäulen entdeckte parasitäre Aggressivität kann ich nicht erkennen. Vielmehr sehe ich hier eine vielschichtige Aussage zur Opferthematik.

    Das Konzerthaus ist zweifellos ein Musentempel, er ist nach antikem Tempelvorbild gestaltet. Tempel sind Stätten des Kultes und damit Orte für Opferrituale. Wenn Ai Weiwei die Säulen, also Bauelemente, die für ihre tragende Funktion bekannt sind, aus übrig gebliebenen Rettungswesten errichtet, und so auf vermutlich ertrunkene Flüchtlinge (denn die Westen haben ja augenscheinlich nicht geholfen) verweist, sehen wir hier keine Rettungssäulen, wie der Spiegel meinte (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-erinnert-in-berlin-mit-schwimmwesten-an-fluechtlinge-a-1077251.html), sondern eben Opfersäulen.

    Man kann sich jetzt weitere Fragen stellen, etwa nach der Rolle von Opfern, die ja gleichzeitig heilig und verboten, weil unrein sind. Opferrituale stellen einen Zustand wieder her, es sind Handlungen der Regeneration – was hat das mit der derzeitigen Flüchtlinhssituation zu tun? Oder etwa: die Opfersäulen als Mahnmale am Ort der Kunst, genauer der Musik, die mehr als die anderen Künste emotional bewegt und unsere Empathie anregt. Aber auch, weil dies ein Ort des Festes und des Luxus ist: welche Aussage steckt dann darin hier Stützen aus Gegenständen von Opfern zu errichten? usw.

    Ich beende hier mal den Kommentar, der schon länger geworden ist, als ich beabsichtigt hatte.

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