Das Gesetz der Serie (ZEIT-Artikel)

In der Ausgabe 14/2017 der ZEIT mache ich mir hier Gedanken, warum zeitgenössische Künstler besonders erfolgreich auf dem Markt sind, nicht obwohl, sondern gerade weil sie oft standardisierte Werkformen entwickelt haben, die sich mühelos – teilweise sogar von Dritten – seriell produzieren lassen. Was macht das Serielle so attraktiv? Warum kaufen viele lieber eine Variante eines Werktyps als ein wirkliches Unikat?

Comments 3

  1. Angelika Zeller 11. April 2017

    Guter Artikel. Was unbeleuchtet bleibt, ist die Frage, warum die Künstler das mitmachen und bedienen. Wenn die ursprüngliche Intention künstlerische Auseinandersetzung für sie war und dann im Produktdesign endet kann das kaum befriedigend sein, außer fürs Konto. Eigentlich erniedrigend sich als Künstler solchen Mechanismen anzupassen.

    Gefällt mir

    • wolfgangullrich 12. April 2017

      Liebe Frau Zeller, danke für Ihren Kommentar! In meinem Artikel unterstelle ich ja, dass die Künstler das nicht nur mitmachen, sondern zum Teil sogar noch mit eigens entwickelten Werkformaten forcieren. Gerade jemand wie Damien Hirst ist hier ebenso ehrgeizig wie innovativ – und konsequenter darin als andere zeitgenössische Künstler, Kunst in eine Luxusmarke zu verwandeln. Richard Prince oder Takashi Murakami mögen enger mit etablierten Labels wie Louis Vuitton zusammengearbeitet haben, und Jeff Koons hat seine Affinität zu glamourösem Kommerz von Anfang an stärker betont, aber nur Hirst hat neue Infrastrukturen geschaffen, die den Status der Kunst grundlegend verändern.- Dass er der einzige Künstler weltweit sein dürfte, der jedem, der etwas von ihm haben will, auch etwas verkauft, scheint dabei erst einmal gegen eine Luxus-Strategie zu sprechen. Tatsächlich demokratisiert Hirst den Zugang zu Kunst, wenn er über seinen Shop „Other Criteria“ hunderte von Artikeln vertreibt – darunter vieles schon zu zwei- und dreistelligen Preisen: T-Shirts, Skateboards oder Porzellanteller mit Aufdrucken seiner Motive. Genauso gibt es aber Stühle, Schmuckstücke und Grafiken, die fünfstellige Summen kosten. Doch führt die Breite des Sortiments zu keiner Entwertung, sondern steigert im Gegenteil die Attraktivität und Potenz der Marke ‚Hirst’: Leute mit wenig Geld dürfen sich auch als Teil davon fühlen, wissen aber zugleich, dass sie ganz unten auf einer Rangleiter stehen, weshalb sie den Ehrgeiz entwickeln, aufzusteigen und bei nächster Gelegenheit etwas Teureres zu erwerben. Diejenigen, die dies schon haben, können es genießen, sich den anderen überlegen zu fühlen; ferner dürfen sie sich mit prominenten Sammlern vergleichen und erahnen, wie es in der Welt der Superreichen zugeht. Dass alle Kunden der Marke und mehr Menschen denn je im Wettbewerb um Werke eines einzelnen Künstlers stehen, dynamisiert den Markt und stärkt das Image. Bei Hirst passiert also dasselbe, was man sonst von Marken wie Porsche kennt, wo diejenigen, die sich kein Auto leisten können, immerhin eine Sonnenbrille oder einen Kugelschreiber angeboten bekommen. Und wenn auch einzelne Produkte nur in ‚limited edition’ existieren, ist doch sichergestellt, dass immer genug für alle da ist und die Umsatzchancen der Marke voll ausgeschöpft werden.

      Herzliche Grüße

      Wolfgang Ullrich

      Gefällt mir

  2. Angelika Zeller 23. April 2017

    Lieber Wolfgang Ullrich,

    danke für die Antwort !
    Ich habe den Artikel wohl verstanden, frage mich aber trotzdem, warum Menschen die sich für die Mittel der Kunst als Erkenntniswerkzeug entschieden haben Produktdesigner werden.
    Ich war in letzter Zeit z.B. in mehreren Haushalten in denen Gerold M.s hingen, warum das bloße Wiedererkennen Erkenntnis genug sein soll, bleibt mir ebenso ein Rätsel wie die Erkenntnis, dass es Künstler gibt die in Reproduktion und Variation ihre Erfüllung finden.

    Grüße und einen schönen Sonntag wünscht
    Angelika Zeller

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s