Revolution rückwärts

Im Vorblick auf das 50-jährige Jubiläum der 68er-Bewegung habe ich für den FOCUS einen Debattenbeitrag verfasst, in dem es darum geht, warum gerade an den Universitäten, die damals Hauptorte der Rebellion und Regelverletzung waren, heute im Gegenteil ’safe spaces‘ und damit viele neue Regeln gefordert werden:

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„Haben die 68er mit all ihren Regelverletzungen und Emanzipationsenergien bis dahin Benachteiligten – Frauen und auch zahlreichen Minderheiten – zu mehr Rechten und besseren Lebensmöglichkeiten verholfen, so ist daraus offenbar eine Dynamik entstanden, die letztlich zu einer paradoxen Umkehrung der Stoßrichtung geführt hat. Je besser bis dahin unterprivilegierte Gruppen auch institutionell abgesichert wurden, desto attraktiver konnte es nämlich für mehr und mehr Menschen erscheinen, sich selbst als benachteiligt darzustellen und entsprechende Schutzrechte für sich zu reklamieren. Statt für eine insgesamt freiere Gesellschaft kämpft man dann nur noch für mehr Chancen für einzelne Gruppen und identifiziert sich zugleich mit der ein oder anderen von ihnen. Dazu aber muss jeder und jede immer neu beweisen, dass er oder sie nach wie vor benachteiligt ist. Und das gelingt am besten durch das Zeigen der eigenen Verletzungen. Indem damit zugleich andere als Aggressoren geoutet werden, kommt es aber dazu, dass diese umgekehrt nicht mehr als gleichberechtigt wahrgenommen werden. Vielmehr haben sie ihre Freiheiten durch deren Missbrauch verwirkt. Und so etablieren sich neue Verbote, und je besser es den ehedem Benachteiligten geht, desto lauter müssen sie sich als Betroffene zur Geltung bringen, desto strenger werden also die Maßstäbe, nach denen das Verhalten anderer als verletzend beurteilt wird, und desto rigider und zahlreicher entwickeln sich auch die Verbote. Damit aber mündet ein zuerst durch und durch emanzipatorischer Impuls in Kontrolle und Rundumreglementierung.“

Komplett nachzulesen ist der Artikel hier.

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  1. Pingback: Vom Ende der Revolution. Oder so. | Carmilla DeWinter

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