Nils Pooker: „Autopsie einer Bildkritik“

Wird man als Kunstwissenschaftler üblicherweise erst um eine Beurteilung gebeten, wenn ein Werk vollendet ist, so gibt es auch Fälle, bei denen man bereits während des Werkprozesses mit dem Künstler diskutieren und das weitere Vorgehen besprechen kann. Eine wirkliche Ausnahme stellt es aber dar, dass eine die Werkentstehung begleitende Diskussion von vornherein geplant und zum Teil des künstlerischen Konzepts erklärt wird. Genau das machte Nils Pooker, als er im Herbst 2018 sein Projekt „Autopsie einer Bildkritik“ startete. Dies ist eine Arbeit über ein Kapitel deutscher Ideologie und Ikonografie, die den Bogen von der Romantik Caspar David Friedrichs über den Nationalsozialismus bis hin zur Fotografie Andreas Mühes spannt: eine eindrucksvolle und in ihren Methoden beispielhafte Konzeptkunst. Es zeichnet sie vor allem aus, Bilder so ernst zu nehmen, dass ihre Genese möglichst genau beobachtet, reflektiert und analysiert werden soll. Dazu fotografierte und filmte Pooker nicht nur den gesamten Prozess seiner gemalten Bildkritik, sondern stellte in einem E-Mail-Dialog mit mir die einzelnen formalen Entscheidungen seines Projekts zur Diskussion. Nichts an diesem Projekt sollte ‚einfach so‘ stattfinden, sondern über fast zwei Jahre hinweg tauschten wir uns über die jeweils nächsten Schritte aus. Nun hat Nils Pooker die konzeptuellen Voraussetzungen sowie die gesamte Dokumentation des Projekts veröffentlicht – darunter auch unseren (Achtung: sehr langen!) E-Mail-Dialog.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s