Karin Kneffel: Ontologisches Neuland

Für die Ausstellung „Karin Kneffel – im Augenblick“ im Max Ernst Museum Brühl habe ich einen Katalogbeitrag geschrieben. Unter dem Titel „Ontologisches Neuland“ widme ich mich darin vor allem Karin Kneffels Auseinandersetzung mit der Klassischen Moderne:

„Dank der vielfältigen Brechungen und Überlagerungen und wegen der dadurch entstehenden Verfremdungen erscheinen die [durchwegs der Kunstgeschichte der Klassischen Moderne entstammenden] Räume, Skulpturen und Gemälde auf Karin Kneffels Bildern wie verhext oder verzaubert. Es ist, als würde es in ihnen spuken. Dass es oft dunkel ist, dann aber plötzlich irgendwo ein Licht auftaucht, verstärkt diesen Eindruck, ebenso wie jede Unklarheit darüber, ob eine Figur ein Mensch oder eine Skulptur ist, ob sich etwas vor oder hinter einer Glasscheibe abspielt, ob es sich bei einem Phänomen um eine Spiegelung oder eine Projektion handelt oder von was für einer Lichtquelle ein Schatten herrührt. Eine derart verwunschen-unheimliche Atmosphäre kennt man sonst vor allem aus Erzählungen und Filmen von alten Schlössern, in denen Untote oder Geister ihr Unwesen treiben. – Ist die Moderne also ein Spuk? Sind ihre Orte gar nicht nüchtern, nicht die oft propagierten White Cubes, sondern im Gegenteil Räume voll unerlöster Objekte und Beziehungen? […] Zumindest entsteht auf Kneffels Gemälden ein ganz anderes Bild der Moderne, als deren Protagonisten es selbst vermittelt hatten. Und den berühmt gewordenen Satz des Kurators Roger M. Buergel, wonach „die Moderne unsere Antike“ sei, mit dem er die von ihm verantwortete documenta 12 im Jahr 2007 erläuterte, hört man auf einmal mit einem düsteren Unterton. Ist die Moderne vielleicht nicht deshalb nach wie vor so präsent in vielen zeitgenössischen Œuvres, weil sie als das strahlende Vorbild, als geradezu allgemeingültiger, unüberholbarer Maßstab fungiert, sondern weil sie zum Wiedergänger mutiert ist und sich als solcher in vielfältigster Gestalt in die Werke heutiger Künstler und Künstlerinnen einschleicht, ja zur Obsession geworden ist?“

Der vollständige Katalogtext ist hier zu lesen:

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