Comments 6

  1. kunsthackblock 18. März 2016

    Lieber Wolfgang Ullrich,

    habe mir heute sofort Ihr Buch Siegerkunst bestellt, nachdem ich darauf von einem Leser meines Blogs aufmerksam gemacht wurde. Bedaure, dass ich nicht schon viel früher von Ihrer Arbeit erfahren habe, aber es ist ja nie zu spät…

    Wenn Sie sich meine Blogbeiträge anschauen, finden Sie – insbesondere in der aktuellen Ablehnung der ART Cologne, die von der Stadt Köln untermauert wird, gegen unser Kunstprojekt mit Flüchtlingen, beste Beweise für Ihre Feststellungen. Da ich bereits Mitte der 1990er Jahre Aktionen mit Ausgegrenzten auf der ART Cologne oder der documenta bewusst durchgeführt habe, um zu zeigen, wie weit die etablierte Kunst sich von der Gesellschaft entfernt hat, bzw. nur dazu dient, den Reichen und Einflussreichen einen Raum für ihre Selbstdarstellung zu bereiten, den diese sich auch noch von Mitteln der öffentlichen Hand (Bundesinnenministerium, Landeskultureinrichtungen usw.) finanzieren lassen, bin ich mit der Ablehnung meiner Aktionen vertraut.

    Das motiviert mich aber nicht minder, unablässig darauf hinzuweisen, dass die meisten Künstler ihre Arbeit nicht entwickeln, um damit in erster Linie dem Kapital zu dienen und dessen Einfluss zu stärken. Es mag, wie ihr Buch beweist, zu viele Ausnahmen geben. Erschreckend ist, und das stelle ich auch fest, dass diese Ausnahmen zum Trend verkommen und sich ein System zementiert hat, dass keine anderen Positionen mehr zulässt.

    Danke für Ihr Eintreten und herzlich willkommen in meinem hackblockblog.wordpress.com –

    Beste Grüße
    Ihr Hermann Josef Hack

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  2. Detlef Bach 2. April 2016

    Lieber Wolfgang Ullrich, vielen Dank für soviel Inspiration und Scharfsinn. SIEGERKUNST ist ein Buch, was nachdenklich macht. Und das mich meine „Verliererkunst“ noch mehr schätzen lässt. Wie sagte Wolf Wondratschek: „Erzähl den Verlierern vom Ende der Sieger.“ Wir werden sehen.

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  3. Cris Forster-Stroeher 11. September 2016

    Lieber Wolfgang Ullrich!
    Kommentar zu
    `Siegerkunst`- sechs Thesen zu einem Buchtitel

    Was mich an „Siegerkunst“ stört: Das einzige Kriterium Ihrer Argumentation für diesen Begriff ist die als Quantität messbare Zahl des „Preises“. Auch die „Sieger“, die diese Kunst kaufen, sind die wenigen Reichen, die ebenfalls auf Grund Ihres Geldvermögens von Ihnen zu Siegern erklärt werden. Wie Sie schreiben, kommt der Begriff aus dem Wettkampf, Sport, der schnellste Lauf, der weiteste Sprung, die meisten Tore, alles den Regeln der Disziplin angepasste messbare Kriterien. Hohe Preise für eine/n Künstler/in entstehen nie durch ihn/sie allein, alle im Kunstbetrieb Tätigen stützen, ja schaffen erst diese Preise. Ich würde an dieser Stelle vom Doping des Kunstbetriebs sprechen. Und wie auch im Spitzensport, sind die Bemühungen gegen das Doping nicht wirklich vorhanden, bzw. „siegen“ höchst selten über kommerzielle Interessen der Mächtigen.

    Sie fragen, ob man diese Kunst, wenn die Preise nicht mehr gezahlt werden, von Design noch wird unterscheiden können. Ich denke, das hängt davon ab, wie man dann „Kunst“, „künstlerische Qualität“, definieren wird. Nachdem Sie ja auch gerne über Warenästhetik schreiben, wird Ihnen der Stoff jedenfalls nicht ausgehen.

    Dass Sie der Macht des Geldes über die Kunst ein Buch widmen, deprimiert mich. Es zeigt, wie sehr sich alle, auch Intellektuelle, vom Preis heute beeindrucken lassen. „Des Geistes Gegenwart“ finde ich viel interessanter. Ich hoffe doch, dass der Geist auch in der Kunst trotzdem noch überlebt.
    Cris Forster-Stroeher

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    • wolfgangullrich 13. September 2016

      Lieber Herr Forster-Stroeher, danke für Ihren Kommentar! Ich verstehe Ihren Impuls, aber als Kunsttheoretiker kann und will ich die Augen nicht vor dem verschließen, was aktuell in Kunst & Kunstbetrieb geschieht. Das heißt nicht, dass man beeindruckt oder gar paralysiert von großen Zahlen und hohen Preisen ist, aber man hat zu analysieren, was es in historischer, gesellschaftlicher und ästhetischer Hinsicht für Konsequenzen hat, wenn Teile der bildenden Kunst sich gleichsam abkoppeln und dabei alle herkömmlichen Maßstäbe sprengen. Diese Analyse versuche ich in „Siegerkunst“.
      Herzliche Grüße

      Wolfgang Ullrich

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  4. Angerer der Ältere 10. Januar 2017

    Sehr geehrter Herr Ullrich,
    habe mit Interesse ein Interview mit Ihnen und dem SWR über Auftragskunst gelesen. Erlauben Sie mir Ihnen zu diesem Thema und noch vielem mehr meinen neu erschienenen Kunstband „Die Rückkehr des Menschen in die Kunst“ vorzustellen. Der Titel korrespondiert mit dem weltberühmten Buch des spanischen Kulturphilosophen Ortèga y Gasset „Die Vertreibung des Menschen aus der Kunst“. Anbei der Link zum Shop des Verlagshauses Kastner: https://kastner.de/?StoryID=402&ViewID=1874 mit Titelcover, Beschreibung + Blick ins Buch. Vielleicht interessiert es Sie und ein Kontakt oder ein Gespräch kämen zustande.
    Mein Atelier befindet sich nördlich von München in der Holledau, ein Besuch würde mich freuen.
    Mit bestem Gruß
    Angerer der Ältere

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  5. Cris Forster-Stroeher 1. September 2017

    Lieber Wolfgang Ullrich!
    zu „Deko und Diskurs“
    „Werke für Kuratoren, die das Distinktionsbedürfnis der Diskurseliten, und Werke für den Markt, die das der Oligarchen befriedigen, spalten sich soweit ab, dass der gemeinsame Begriff Kunst nicht mehr zutrifft.“
    Dieser Satz teilt die Kunstwerke in solche „für Kuratoren“ und solche „für Oligarchen“, also instrumentalisiert sie in ihrer Bestimmung für verschiedene Gruppen. Auch in früheren Epochen gab es Kunst, die sich z.B. mit religiösen oder sozialen Themen auseinandersetzte, und solche, die zur Ausstattung von Palästen – Dekoration, Repräsentation, – diente, nebeneinander. Und der Begriff Kunst ist deshalb nicht zerfallen, er hat sich erhalten.
    Ich sehe in Ihrer Darlegung ein Scheinproblem. Der Begriff „Kunst“ ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr ausgeweitet, ich würde sagen „überstrapaziert“, worden, vor allem auch per definitionem. Die Lehre, die Ausbildung wurde im Sinne von Bologna „verwissenschaftlicht“, Kunstschulen, zumindest in Österreich, zu Hochschulen gemacht, Universitäten gleichgestellt. Deshalb wäre mein Vorschlag, nicht mehr von Kunstgeschichte oder Kunsttheorie, sondern von „Bildwissenschaften“ oder „Wissenschaft der Ästhetik“ zu sprechen. Wenn wir den Nimbus, den das Wort Kunst in unserem Unbewussten anscheinend hat, weglassen, können wir wieder entspannter mit den Phänomenen umgehen. Und Werke – egal ob sozialkritischer oder dekorativer Natur – wertfrei nach ihren ästhetischen Qualitäten untersuchen. Und durch diese nüchterne „wissenschaftliche“ Betrachtung können wir herausfiltern, was sie uns sagen, ob sie – und welchen – Zweck sie erfüllen, ob sie das überhaupt sollen, etc., etc…
    Mit freundlichem Gruß
    Cris Forster-Ströher

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