Kunst in Bewegung

Für das Magazin „Halle4“ der Deichtorhallen habe ich einen Beitrag verfasst, der sich der dortigen Ausstellung „Stuttgart sichten“ von Florian Slotawa widmet.

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Der Künstler hat Werke aus der Staatsgalerie Stuttgart ausgewählt und nach Hamburg transportieren lassen, um sie mit besonderem Augenmerk für das ‚art handling‚ – Logistik und Transfer – zu präsentieren. Damit lenkt er, so meine Interpretation, die Aufmerksamkeit eigens  auf die Beweglichkeit der Kunst. Diese als Mobilie zu begreifen, ist aber erst in der Moderne üblich geworden: Lange Zeit verstand man sie eher als Immobilie. In der Frühzeit der Museen und des Ausstellungswesens war dieser Wandel hinsichtlich des Grundzustands von Kunst noch bewusst – und wurde oft kritisiert. – Hier mein Beitrag.

 

Gegen den Kanon

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Beim kunstpädagogischen Doppelkongress „Kunst – Geschichte – Unterricht“ hielt ich am 16. November 2018 einen Vortrag unter dem Titel „Gegen den Kanon. Neue Kunstgeschichte oder nach der Kunstgeschichte?“. Darin gehe ich von den Beobachtungen und Thesen meines Vortrags „Jenseits der Kunstgeschichte“ aus, den ich im März 2018 beim ersten Teil des Kongresses in Leipzig hielt (nachzulesen hier). Doch ist der Vortrag „Gegen den Kanon“ keine einfache Fortsetzung, sondern insofern ein Gegenstück, als ich versuche, dieselben Entwicklungen aus einer anderen Perspektive zu erörtern: derer, die den bestehenden Kanon infrage stellen.

Die Videoaufzeichnung des Vortrags gibt es hier.

Und dies ist der gesamte Text:

Gegen den Kanon. Neue Kunstgeschichte oder nach der Kunstgeschichte?

In meinem Vortrag im März sprach ich darüber, wie die Geschichte der Kunst als Rahmen und Maßstab für die Beurteilung von Werken an Stellenwert verliert. An mehreren Beispielen vom Kunstmarkt, aber auch aus dem Bereich kuratierter Kunst zeigte ich, dass Künstler, die sich einer Idee von autonomer Kunst verpflichtet fühlen, zunehmend weniger Wertschätzung erfahren. Vielmehr gilt die Aufmerksamkeit Künstlern, deren Arbeit einer Logik von – mehr oder weniger glamourösen und teuren – Markenprodukten entspricht. Alternativ werden Positionen ernstgenommen, die durch die moralisch-politische Brisanz des Themas für sich einnehmen. Auch innerhalb der Kunstwelt dominieren also vermehrt kunstexterne Kriterien. Das aber kann nicht zuletzt zur Folge haben, dass Künstler und Werke, die nach kunsthistorischen oder kunstspezifischen Maßstäben Teil des Kanons sind, allein aufgrund von Sujets, die in moralisch-politischer Hinsicht angreifbar sind, fragwürdig werden oder sogar die Berechtigung abgesprochen bekommen, weiter eine öffentliche Rolle zu spielen.Weiterlesen

Gender-Kettensäge (NZZ-Folio 11/2018)

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In meiner Konsum-Kolumne „Aus der Warenwelt“ bei NZZ-Folio widme ich mich diesmal am Beispiel eines Kinderspielzeugs dem Phänomen, dass sich Hersteller angesichts all der Erwartungen, die heutzutage von Konsumenten – vor allem in den Sozialen Medien – geäußert werden, überfordert zeigen. Mit ihren Produkten wollen sie entsprechend zu viel, vor allem zu vieles, was nicht zusammenpasst. – Hier der Text über ein Beispiel von Übercodierung aus Überforderung!

Gegen die Instrumentalisierung des Urheberrechts

Am Museum Marta Herford fand am 14./15. September 2018 ein Symposium unter dem Titel „Wem gehören die Bilder? Wege aus dem Streit um das Urheberrecht“ statt, das ich zusammen mit Roland Nachtigäller, dem Direktor des Museums , organisierte. Wir nahmen uns vor, etliche  der Probleme zu diskutieren, die sich in den letzten Jahren vor allem für Museen sowie für die Wissenschaft ergeben haben und die beider Arbeit im kritisch-interpretierenden Umgang mit Kunst behindern. Im Vorfeld erschien ein Interview mit Roland Nachtigäller, ebenso ein Blogbeitrag von ihm, ich hatte bereits früher einen Bericht über die Auseinandersetzung mit Rechteinhabern im Fall des Buchs „Siegerkunst. Neue Adel, teure Lust“ verfasst, ebenso  einen Aufsatz über das „Urheberrecht als Mittel der Postproduktion und Diskurskontrolle“.

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Das Symposium war gut besucht, es gab lebhafte, auch kontroverse Diskussionen – einiges davon lässt sich gut nachvollziehen bei Twitter unter dem Hashtag #mconf18.

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Wir werden versuchen, in den nächsten Monaten einige der Punkte, die als besonders dringlich identifiziert wurden, noch genauer zu fassen, um dann einen Appell mit konkreten Forderungen zu formulieren.

 

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Der Perlentaucher hat mittlerweile meinen Einführungsvortrag zum Symposium publiziert, in dem ich in einem persönlich gehaltenen Werkstattbericht einige meiner eigenen Erfahrungen referiere. Der Vortrag ist hier nachzulesen.

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Zu Marina Amarals Kolorierung alter Fotografien

Für GEO habe ich über Marina Amaral und ihre Kolorierung alter Schwarz-Weiß-Fotos geschrieben, aus Anlass ihres gerade erschienenen Buches „Die Welt von Gestern in Farbe“. – Eine meiner Thesen:

Bildschirmfoto 2018-09-12 um 14.58.38„Tatsächlich sind die am Computer kolorierten Bilder historisch korrekter als die originalen Schwarz-Weiß-Fotos. Amaral fügt den Fotos etwas hinzu, das sie aufgrund der Begrenztheit technischer Möglichkeiten nicht fixieren konnten, das aber zum Glück anderswo überliefert ist. Dafür forscht Amaral in Museen und Archiven. Manchmal befragt sie Zeitzeugen, um die Farbigkeit eines Ladenschilds oder Möbelstücks, einer Uniform oder Hausfassade herauszufinden oder um den Teint einer Person zu rekonstruieren. Schließlich bringt sie, zum Teil nach wochenlanger Recherchearbeit, bisher getrennt voneinander bewahrte historische Fakten zusammen.“

Hier der komplette Beitrag.

Kanzelrede zu Friedrich Schleiermacher

IMG_4766Anlässlich des 250. Geburtstags des protestantischen Theologen Friedrich Schleiermacher veranstalten die Berliner City-Kirchen eine Reihe mit Kanzelreden. In ihnen soll jeweils ein  kritischer Blick auf die fünf Reden „Über die Religion“ geworfen werden, die Schleiermacher 1799 an die „Gebildeten unter ihren Verächtern“ gerichtet hatte. – Ich durfte am 2. September 2018 in der St. Matthäus-Kirche ausgehend von der zweiten Rede eine Kanzelrede halten – und sprach darüber, wie Schleiermacher den darin beschworenen „Sinn und Geschmack fürs Unendliche“ gerade mithilfe der Kunst wecken und fördern wollte. Welche Folgen hatte die von ihm erhoffte – und dann real gewordene – „Kunstreligion“? Und was bedeutet es, wenn die Kunst in Kategorien des Unendlichen gedacht wird? – Im folgenden ist meine Kanzelrede nachzulesen:

Während ich Friedrich Schleiermachers Reden über die Religion für den heutigen Abend – nach fast zwanzig Jahren erstmals wieder – gelesen habe, entstand bei mir auf einmal die Vorstellung, ich sei ihr letzter Leser. Es dürfte vor allem mit der eigenwilligen Zeichensetzung des Autors zusammenhängen, der eine Abneigung gegen Kommas hat und erst recht eine Abneigung dagegen, sie an der jeweils passenden Stelle zu setzen, dass es mir schien, als würde mir der Text im Stadium seiner Auflösung begegnen: als würden die Sätze immer mehr verrutschen, allmählich ganz aus den Fugen geraten und entsprechend in ihren Aussagen unscharf, ununterscheidbar, unbekömmlich werden.Weiterlesen

Sentimentale Bürokraten. Beschämte Aristokraten – oder: Wer betreibt konzeptuelle Fotografie?

Für den Katalog „Fotofinish“, der aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Kunstsammlung der DZ-Bank erschienen ist, habe ich einen Beitrag über konzeptuelle Fotografie verfasst. Er ist im Folgenden komplett publiziert:

IMG_0354-960x600Sentimentale Bürokraten. Beschämte Aristokraten – oder: Wer betreibt konzeptuelle Fotografie?

Künftig werden sich Künstler, sofern es sie dann überhaupt noch gibt, von anderen Menschen darin unterscheiden, dass sie keine Bilder machen. Zumindest aber werden sie sich von anderen dadurch unterscheiden, dass das Bildermachen für sie keine alltägliche Sache ist. Da die Digitalisierung dazu führt, dass erstmals in der Geschichte der Menschheit kein Mangel, sondern ein Überfluss an Bildern herrscht, verändert sich vielmehr die Rolle und das Selbstverständnis von Künstlern: Sie müssen nicht den Mangel zu mindern, sondern den Überfluss zu bewältigen versuchen. Dieser wird umso größer und das Bildermachen umso mehr eine Alltagspraxis für viele Menschen, als es dank der Smartphone-Technik und zahlreicher Apps der Bildbearbeitung keiner besonderen Begabung mehr bedarf, um visuelle Qualitätsstandards zu erfüllen und mit Bildern jeweils genau das Gewünschte auszudrücken.Weiterlesen