Katalogtext über Ellen Akimoto

Die Malerin Ellen Akimoto präsentiert am 5. Juni 2020 innerhalb ihrer Ausstellung „Creamy Feelings Curdle“ in der Galerie Rothamel in Frankfurt ihren neuen (gleichnamigen) Katalog (erschienen im Kerber-Verlag). Dafür habe ich einen Text verfasst, den ich aus Anlass der Präsentation im folgenden publiziere:

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Im Jahr 2017 malte Ellen Akimoto ein Bild, dem sie den Titel „The Lower Left Hand Corner of Such a Good Painting“ gab. Es unterscheidet sich von vielen anderen ihrer Bilder, da es aus nur drei Elementen besteht: einem Parkettfußboden, einer weißen Wand, einem an ihr hängenden abstrakten Gemälde. Perspektive und Bildausschnitt sind so gewählt, dass die drei Sujets jeweils nur zum Teil zu sehen sind. So entsteht zwar ein illusionistischer Bildraum, doch fällt es nicht schwer, das Bild genauso als Abfolge von drei Flächen zu betrachten. Akimotos Bild hat damit den Charakter eines Kippbildes: Es lässt sich entweder als gegenständliches oder als abstraktes Bild wahrnehmen. Und da es als gegenständliches Bild ein abstraktes Gemälde als Sujet hat,Weiterlesen

„Symmetriezwang und Differenzangst“

Nach dem ersten visuellen Pendant zu einer Schweigeminute, der Aktion gegen Rassismus unter dem Hashtag #blackouttuesday, der Millionen von Instagram-Feeds am 2. Juni 2020 zu einer Abfolge schwarzer Flächen werden ließ, musste mit Störungen und Gegenprogrammen der Vertreter einer ‚White Supremacy‘-Ideologie gerechnet werden. Sie kamen prompt und platt – u.a. mit dem Hashtag #whiteoutwednesday. Nun gibt es also weiße Flächen, zum Teil von einschlägigen Kommentaren und weiteren Hashtags eskortiert.

Bildschirmfoto 2020-06-03 um 12.10.12Auch deutsche Rechtsradikale und Identitäre sind mit von der Partie – darunter nicht zuletzt ein Paar (Valerie Elisabeth und Jonathan Rudolph), dessen ideologisches Bildprogramm ich letztes Jahr innerhalb eines Aufsatzes in der Nr. 154 der Zeitschrift „Fotogeschichte“ analysiert habe. – Aus Anlass der aktuellen Vorfälle will ich diesen Aufsatz mit dem Titel „Symmetriezwang und Differenzangst“ nun hier öffentlich zugänglich machen. Ich versuche darin zu zeigen, dass rechtsextreme Ikonografien „ebenso brutal wie verzagt“ sind und vermutlich viel mehr von der Mentalität ihrer Urheber verraten, als diese ahnen – und als es ihnen recht sein kann. – Hier der Aufsatz: Ullrich_Symmetriezwang und Differenzangst (dazu insbesondere die Analyse von Abb. 3).

„Digitale Bildkulturen“ auf YouTube

Die seit 2019 im Verlag Klaus Wagenbach von Annekathrin Kohout und mir herausgegebene Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ hat nun auch einen Channel auf YouTube. Dort werden wir nicht nur Aufzeichnungen von Veranstaltungen sammeln, die mit Autor*innen der Reihe stattgefunden haben, sondern veröffentlichen in loser Folge auch Videoessays. Ich mache den Start mit einem Video unter dem Titel „Selfies als Training für die Maskenpflicht“.

Ausgehend von meinem Band über Selfies stelle ich darin die These auf, dass viele derer, die in den letzten Jahren bereits ein positives und aktives Verhältnis gegenüber Selfies entwickelt haben, die Maskenpflicht nun kaum als Problem empfinden, ja vielleicht sogar als Chance ansehen, neue Typen von Selfies zu entwickeln. Sie empfinden sich in den Möglichkeiten der Inszenierung des eigenen Gesichts also gerade nicht eingeschränkt, begreifen Masken vielmehr als Fortsetzung der Selbstgestaltung mit anderen Mitteln. Zugleich aber fällt auf, dass viele, die ein negativ-kulturpessimistisches Verhältnis gegenüber Selfies haben, nun auch Gesichtsmasken bloß negativ – als Entzug, Verlust von Sichtbarkeit – wahrnehmen können. Beides, Selfies und Masken, behindert gemäß ihrer Überzeugung  die Entfaltung des wahren Selbst. Die aktuellen Debatten über die Maskenpflicht offenbaren damit eine ähnliche Konfliktlage wie der Streit über Selfies – letztlich geht es jeweils darum, ob die Inszenierung des Gesichts positiv als Akt der Selbstbestimmung und als Ausdruck einer Idee von öffentlichem Leben oder aber negativ als Form von Lüge, als Gegenteil von Wahrhaftigkeit verstanden wird.

Annekathrin Kohout und ich haben zudem ein Video hochgeladen, in dem wir den Channel näher vorstellen: 

Katalogtext über Thomas Kitzinger

Bildschirmfoto 2020-05-23 um 16.52.26Am 24. Mai 2020 eröffnet in der Paul Ege Art Collegion (PEAC) in Freiburg/Br. die Ausstellung „24.10.1955“ des Malers Thomas Kitzinger. Sie zeigt seine seit 2008 entstehende Serie von Porträts. Für den Katalog habe ich einen Text geschrieben, in dem ich versuche, Kitzingers Porträtmalerei näher zu bestimmen und historisch einzuordnen. Dabei stelle ich u.a. fest:

„So unterschiedlich und unverwechselbar jedes von Kitzinger gemalte Gesicht ist, so wenig wird doch suggeriert, die genaue Wiedergabe physiognomischer Details solle Zugang zum Innenleben des jeweils Porträtierten liefern. Es ist Kitzinger also offenbar nicht wichtig, den alten Mythos vom Künstler als Seher zu aktualisieren, dem es gelingen könne, das verborgene wahre Wesen eines Menschen in einem Porträt sichtbar zu machen. […] Es ist, als misstraue er einer Metaphysik von ‹außen› und ‹innen›, von ‹oberflächlich› und ‹tief›. Wer seine Porträts betrachtet, gelangt im Gegenteil zu der Überzeugung, dass das Sichtbare die einzige, zumindest aber die wichtigste und stärkste Realität ist.“

Der vollständige Katalogtext ist hier nachzulesen: Ullrich-Kitzinger

Verwechslungsgefahr (8): Enorm viel Stress

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Die neue Folge meiner Serie über ‚Verwechslungsgefahren“ in der Kunstwelt, die im Magazin Halle 4 der Deichtorhallen Hamburg erscheint, beschäftigt sich damit, dass in Zeiten der Krise sichtbarer als sonst wird, wie sehr erfolgreiche Künstlerateliers nicht anders als mittelständische Unternehmen organisiert sind – und wie sehr sie daher jetzt auch vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen stehen. Die erfolgreichsten, cleversten Künstler-Unternehmer haben sich jedoch bereits umgestellt – und liefern genau das, was viele sich heute von Kunst erhoffen. Nachzulesen hier!

Künstlergespräch mit Simon Rosenthal

simon_rosenthal01-700x467Zwischen Februar und April 2020 führte ich einen Mail-Dialog mit dem Dresdner Künstler Simon Rosenthal. Er war viel kürzer geplant, entwickelte sich aber zu einem größeren Austausch, innerhalb dessen wir viele Themen des aktuellen Kunstbetriebs ansprachen. Leitfaden waren dabei die Werke einer Doppelausstellung Rosenthals, die 2019 in Dresden stattfand. Nun wurde das Gespräch – ein echter Longread! – unter dem Titel „Pandemie des Nichts“ auf der Website von Rosenthal veröffentlicht – und ist hier verfügbar!

Art-Kolumne Mai 2020 – über das Ideal ortsfester Kunst

Auch in diesem Monat stellt der Verlag Gruner + Jahr etliche seiner aktuellen Magazine kostenlos online zur Verfügung – darunter das Kunstmagazin ‚Art‘, in dem ich in einer regelmäßigen Kolumne jeweils zwei Bilder, Werke oder Objekte miteinander vergleiche. Für die Mai-Ausgabe habe ich Arbeiten von Friedrich Overbeck und Daniel Buren ausgewählt, die formal kaum unterschiedlicher sein könnten, denen aber erstaunlich ähnliche Vorstellungen zugrundeliegen. So streben beide Künstler nach einer ortsfesten Kunst, da sie der Überzeugung sind, in einem Atelier entstandene Werke würden zwangsläufig an Qualität und Wirksamkeit verlieren, wenn sie erst an einen – letztlich beliebigen – Ort gebracht werden müssten, um sichtbar zu werden. Die Nazarener plädierten deshalb für Freskenmalerei, Buren für Arbeiten, die ’site specific‘ sind. In meinem Text erörtere ich das – nachzulesen hier: art_kolumne96

Verwechslungsgefahr (7): Alles ist gut

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Die neue Folge meiner Serie über ‚Verwechslungsgefahren‘ in der aktuellen Kunstwelt, die im Magazin Halle 4 der Deichtorhallen Hamburg erscheint, bleibt nicht unbeeindruckt von der Corona-Krise. Schon tauchen nämlich die ersten ‚Home Art Objects‘ auf, mit denen Künstler und Produzenten auf die Krise reagieren. Ob sie jedoch auch nur halbwegs das erfüllen, was üblicherweise von Kunst erwartet wird? Oder ob diese hier mit etwas ganz anderem verwechselt wird? Nachzulesen hier! – (Und diesmal auch zum Hören!)

Art-Kolumnen

Der Verlag Gruner + Jahr reagiert mit der Aktion „Deutschland bleibt zuhause“ auf die Corona-Krise und stellt aktuell vierzig aktuelle Magazine kostenlos online zur Verfügung! Damit sind auch die beiden neuesten Folgen meiner Kolumne im Kunstmagazin ‚Art‘, die ich seit 2011 monatlich schreibe, zugänglich, ich kann sie also – ausnahmsweise – hier veröffentlichen. Prinzip der Kolumne ist es, jeweils zwei Bilder, Werke oder Objekte miteinander zu vergleichen.

Im März-Heft geht es um Art Deco und heutige Sneaker – für mich nicht nur formal zwei sehr ähnliche Phänomene, nachzulesen hier: art_kolumne94

Im April-Heft widme ich mich zeitgenössischen Künstlern, die die gesamte Moderne ablehnen und mit ihrer Kunst zu überwinden suchen. Zwei von ihnen vergleiche ich, mit leicht unterschiedlichem Ergebnis: art_kolumne95