Neue Videos von Online-Veranstaltungen

Innerhalb der von Anne Schülke initiierten Reihe „Kunst. System. Relevanz“ des Landesbüros für bildende Kunst in NRW diskutierte ich am 27. Mai 2021 über die Krise der autonomen Kunst und neuere Entwicklungen im Kunstbetrieb. Zur Vorbereitung des Abends lasen die Teilnehmer*innen meinen Text „Deko und Diskurs“ von 2017, in dem ich über ein mögliches Schisma in der Kunstwelt spekuliere. Die Aufzeichnung des Abends ist hier anzuschauen bzw. anzuhören.

Im Rahmen einer Ausstellung der Prince House Gallery in Mannheim unternahm ich einen virtuellen Atelierbesuch bei der in Leipzig lebenden Künstlerin Verena Landau. Wir verabredeten uns via ZOOM und diskutierten über einige ihrer Arbeiten aus den letzten zwei Jahrzehnten. Die Aufzeichnung unseres Gesprächs ist hier anzuschauen.

Am 2. Juli 2021 richtete das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig im Zuge der dort gezeigten Ausstellung „Immer ich. Faszination Selfie“ eine Podiumsdiskussion aus, zu der Annekathrin Kohout und ich in unserer Eigenschaft als Herausgeber der Buchreihe „Digitale Bildkulturen“ (mehr dazu hier und hier) eingeladen waren. Unter Leitung der Ausstellungskuratorin Henrike Girmond sprachen wir über Vorbehalte gegenüber Selfies und Sozialen Medien, über einige Phänomene der Selfie-Kultur sowie über die Folgen, die es hat, wenn viel mehr Menschen als früher über visuelle Selbstbestimmung verfügen. Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist hier anzuschauen!

Kunst als Diplomatie

Hubert von Herkomer: Aufsichtsrat und Direktorium der Firma Fried. Krupp AG im Jahre der Hundertjahrfeier 1912, Öl auf Leinwand, 356 x 561 cm, 1913

Für die neue Schriftenreihe „Essay und Archiv“, die von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung im Aschendorff Verlag herausgegeben wird, verfasste ich einen Band unter dem Titel „Kunst als Diplomatie“, der nun erschienen ist. Darin geht es um ein ebenso konventionelles wie zugleich ungewöhnliches Gruppenporträt aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es zeigt das Führungsgremium der Krupp AG und wurde von dem damals berühmten deutsch-englischen Maler Hubert von Herkomer als Auftragsgemälde aufwendig gestaltet.

In meinem Essay analysiere ich nicht nur das Gemälde und den erstaunlich gut dokumentierten Werkprozess, sondern ordne es auch in die Geschichte der Gattung ein. Da in ihr die lange unumschränkt gültige patriarchalische Gesellschaftsordnung besonders stark zum Ausdruck kommt, befasse ich mich schließlich auch mit der Frage, wie sich Gruppenporträts verändern (werden), wenn Gremien und Institutionen pluraler als bisher zusammengesetzt sind. – Hier die ersten Seiten des Essays:

Text über die Serie „Painter’s Portrait“ von Chunqing Huang

Chunqing Huang: Max Liebermann, 40×30 cm, Öl auf Leinwand, 2016

Zur ersten Ausstellung der Serie „Painter’s Portrait“, in der sich die Malerin Chunqing Huang mit Künstlerinnen und Künstlern der westlichen Moderne auseinandersetzt, hat das Kunsthaus Wiesbaden einen Katalog veranlasst, der vom Kurator der Ausstellung Ulf Erdmann Ziegler konzipiert wurde und für den ich auch einen Text verfasst habe. Unter dem Titel „Metaphysik für Postmodernisten“ diskutiere ich zwei mögliche Lesarten von Huangs Serie:

Am 1. Juli 2021 fand im Kunsthaus Wiesbaden eine Podiumsdiskussion zwischen Ulf Erdmann Ziegler und mir statt, in der wir noch andere Aspekte von „Painter’s Portrait“ diskutiert haben. Sie ist hier anzuschauen.

„Kunst? Mode? Aktivismus? Instagram als Ort neuer Allianzen“

Am 24. Juni 2021 hielt ich auf Einladung des Lehrstuhls für Kunstgeschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt einen Vortrag unter dem Titel „Wenn sich Kunst und Nicht-Kunst nicht mehr unterscheiden. Das Verschwinden von Grenzen in den Sozialen Medien“. Dieser Vortrag ist nun online!

Zum Thema: Die Infrastrukturen und die Logiken von Plattformen wie Instagram und TikTok sind so prägend, dass tradierte Grenzen z.B. zwischen Kunst, Mode, Design und politischem Engagement sich verwischen. Vieles, was auf diesen Plattformen gepostet wird, ist daher nicht mehr eindeutig zuzuordnen, dafür aber deren Kriterien angepasst.

Der Vortrag untersucht einige der Kriterien, nach denen etwas auf Instagram erfolgreich sein kann, fragt also nach der ‚instagramability‘. Diese ermöglicht große Präsenz auf der Plattform, was wiederum bedeutet, dass ganz unterschiedliche User erreicht werden, die mit ihren Reaktionen ihrerseits Einfluss auf das Gepostete nehmen. So kann jemand, dessen Postings zuerst vielleicht ’nur‘ als Kunst oder Mode oder Aktivismus geplant waren und dann ‚instagramability‘ erhielten, sich genauso den Erwartungen und Kriterien anderer Bereiche anpassen. Herkömmliche Grenzen werden damit erst recht überwunden, und was entsteht, vereint bestenfalls die Kräfte und Möglichkeiten bisher getrennter Bereiche.

Der Vortrag entwickelt seine Thesen anhand eines konkreten Beispiels, nämlich der Make-up-Artist Eszter Magyar, die vor allem mit dem Instagram-Account @makeupbrutalism und dem Hashtag #uglymakeuprevolution bekannt wurde. Ihre Arbeiten verkörpern beispielhaft eine neue Allianz zwischen verschiedenen Bereichen; sie sind nicht nur Make-up-Art, sondern genauso Mode, Kunst und feministischer Aktivismus.

(Zum 10. Geburtstag von Instagram im Herbst 2020 schrieb ich einen Artikel, in dem ich ebenfalls auf das Phänomen ‚instagramability‘ eingehe, nachzulesen hier.)

Gegen das Atelier

Robert Smithson: „Kulturelle Gefängnisse“ (1974), in: Ders.: Gesammelte Schriften, hg. v. Eva Schmidt/Kai Vöckler, Köln 2000, S. 185.

Nachdem ich im Mai 2020 in meiner Kolumne für ‚art – das Kunstmagazin‘ über Friedrich Overbeck, Daniel Buren und das Ideal ortsfester Kunst geschrieben hatte (nachzulesen hier), habe ich das Thema noch ausführlicher erforscht. Mich interessierte dabei vor allem der Topos, dass Kunst, die in einem Atelier entsteht, von vornherein schwächer sei als eine Kunst, die für einen bestimmten Ort gedacht ist und an diesem geschaffen wird. Dieser Topos sowie seine allgemeinere Version, wonach jegliche mobile Kunst beliebig-wurzellos sei, existiert vor allem in konservativ-reaktionären Kreisen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und erfährt dabei in Extremfällen eine klar antisemitische Konnotation, taucht aber auch in postavantgardistischer Kunst unter anderen Vorzeichen wieder auf. Umso wichtiger scheint es mir zu sein, dem weit verbreiteten Misstrauen gegenüber mobiler Kunst genauer nachzugehen, zumal es fast immer auch ein Misstrauen gegenüber Kunst in Museen und auf dem Markt ist. In der Pop-Zeitschrift sind meine (bisherigen) Recherchen und Überlegungen zu diesem Thema nun erschienen – nachzulesen unter dem Titel „Gegen das Atelier. Mobile Kunst zwischen reaktionärer und postavantgardistischer Kritik“.

Web-Gespräch mit Susanne Ristow über ihr Buch „Kulturvirologie“

Für den YouTube-Channel von „Digitale Bildkulturen“ habe ich mit der Kulturwissenschaftlerin und Künstlerin Susanne Ristow über einige Themen ihres 2021 erschienenen Buchs „Kulturvirologie. Das Prinzip Virus von Moderne bis Digitalära“ gesprochen.

Unser Ausgangspunkt ist Ristows Diagnose eines „metaphorischen Wildwuchses“, würden doch „viele der Inhalte, die heutzutage als ‚viral‘ bezeichnet werden, […] keinesfalls den Kriterien des Viralen“ entsprechen. Daraus ergeben sich folgende Fragen, denen das Gespräch gewidmet ist: Was sind die Kriterien für Viralität? Inwiefern werden diese Kriterien von Memen erfüllt? Was sind historische Vorläufer digitaler viraler (Bild)phänomene? Warum lässt sich aus heutiger Perspektive vor allem von der Fluxus-Bewegung der 1960er Jahre lernen? Warum ist gerade Yoko Ono wieder so aktuell? Von der Collage zum Mashup und Mem – ein kulturvirologisches Paradigma? – Das Gespräch ist hier verfügbar!

#MakartNow

Die Hamburger Kunsthalle hat ihr flächenmäßig größtes Gemälde, Hans Makarts Der Einzug Karls V. in Antwerpen (1878), zur Diskussion gestellt und innerhalb der Aktion #MakartNow Statements zu diesem Hauptwerk der Salonmalerei gesammelt, das einige Zeit abgehängt war, seit 2020 aber wieder zu sehen ist – obwohl oder gerade weil es in seiner Thematik nach heutigen Maßstäben nicht unproblematisch ist. Auch ich wurde um ein Statement dazu gebeten (hier auch die anderen Statements sowie die Hintergründe der Aktion):

„Fans – eine neue Größe im Kunstbetrieb“

Am 25. Mai 2021 hielt ich auf Einladung des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) einen Online-Vortrag unter dem Titel „Fans – eine neue Größe im Kunstbetrieb“. Meine These: Seit einigen Jahren werden – forciert vor allem durch die Social Media und das Prinzip ‚Follower‘ – auch in der Bildenden Kunst Fans zu einer wichtigen Größe. Anders als Sammler*innen haben sie zwar weniger Geld, definieren sich im Unterschied zu Rezipient*innen aber auch über den Besitz von Artefakten. Diese entstehen oft in großen Auflagen und vielen Varianten (oder, als Spezialbereich, als NFTs). Jedenfalls haben sich viele Künstler*innen bereits darauf eingestellt, ihre Bedeutung nun nicht mehr nur dem Zuspruch von Kurator*innen und Sammler*innen, sondern eben auch von Fans zu verdanken, was innerhalb des Vortrags am Beispiel von Damien Hirst genauer dargestellt wird.

Indem Follower und Fans zunehmend an Einfluss gewinnen, nähert sich die Bildende Kunst strukturell Bereichen wie der Musik, dem Film oder der Literatur an. Außerdem scheint hier ein globalisierungsbedingt starker Einfluss von asiatischen Ländern wie Süd-Korea und Japan vorzuliegen, in denen es schon länger viel stärker etablierte Fankulturen gibt, worauf der Vortrag im zweiten Teil etwas näher eingeht.

Der Vortrag ist als Fortsetzung eines Videoessays zu begreifen, den ich im August 2020 publizierte und in dem ich am Beispiel von Jeff Koons‘ „Balloon Dog“ zeigte, wie Werke, deren Sujets ursprünglich aus der Pop- und Alltagskultur stammen, immer wieder dorthin zurückkehren, nachdem sie auf dem exklusiven Feld der Kunst geadelt wurden.

Die allerersten Sätze – Begrüßung und Einleitung – fehlen bei der Aufzeichnung, die hier anzuschauen ist.

Update vom 10. Juli 2021: Den Vortrag gibt es nun auch bei Deutschlandfunk Nova, nachzuhören hier!

Kunst und Markt – zwei Videos

Im Oktober 2020 wurde ich von Lena von Geyso und Franziska Meier, zwei Doktorandinnen des Promotionskollegs „Kunst, Kultur und Märkte“ der Universität Heidelberg, zur Warenästhetik von Kunst interviewt. Dabei diskutierten wir einige Phänomene des zeitgenössischen Kunstbetriebs unter den Leitbegriffen ‚Vieldeutigkeit‘, ‚Serialität‘ und ‚Partizipation‘. Diese Begriffe sind fast immer im Spiel, wenn es darum geht, Kunstobjekte zu besonders attraktiven Konsumgütern zu machen. Das Video des Gesprächs ist nun online und hier anzuschauen!

Am 26. April 2021 nahm ich am Online-Symposium „Global – Lokal / Do the winners take it all?“ teil, das die Produzentengalerie DER MIXER im Rahmen eines Ausstellungsprojekts veranstaltete. In meinem Impulsstatement aktualisierte ich einige Überlegungen aus meinem Buch „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“ (2016) und versuchte zu zeigen, dass die global erfolgreichsten Künstler*innen mittlerweile auch für lokale Galerien und Künstler*innen zu einer Konkurrenz und damit zu einer Bedrohung werden, ja dass sie auch die lokalen Märkte zunehmend beherrschen. Andere Impulsstatements waren von Nina Tessa Zahner, Stefan Heidenreich und Hans Dieter Huber. Die darauf folgender Diskussion wurde von Dorothee Baer-Bogenschütz moderiert. Auch diese Veranstaltung ist nun komplett online verfügbar und hier anzuschauen (mein Impulsstatement beginnt bei Minute 29:05) Mehr zur Veranstaltung hier (u.a. mit ZOOM-Link): 

Video-Essay: Die Politisierung des Gesichts. Über Makeup-Aktivismus im Netz

Das Selfie, eine der ältesten und wichtigsten Gattungen von Bildern in den Sozialen Medien, hat sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. Dabei wird das Gesicht immer häufiger zu einem politischen Ort aufgeladen. Mit Makeup, Filtern, Frisuren und Accessoires wird es zum Botschafter für diverse gesellschaftspolitische Themen. Nahezu alle relevanten aktuellen politischen Diskurse schlagen sich mittlerweile also auch in Stylings nieder, die meist für Fotos innerhalb der Sozialen Medien entwickelt werden. In diesem Video-Essay, der auf einen Vortrag zurückgeht, den ich am 28. April 2021 auf Einladung der Universität Zürich gehalten habe, konzentriere ich mich auf die Analyse einiger jüngerer Entwicklungen im Bereich der Makeup-Art.

Am 30. April 2021 erschien in der „Neuen Zürcher Zeitung“ ein Text des Philosophen Giorgio Agamben, in dem er beklagt, dass es infolge der staatlich verordneten Maskenpflicht zu einem „völligen Verschwinden“ des Gesichts in der Öffentlichkeit komme. Da das Gesicht aber „der Ort der Politik“, ja „das politische Element an sich“ sei, wirft er den Staaten vor, sie hätten durch die Maskenpflicht „jede politische Dimension aus sich getilgt.“ Und weiter: „In diesem leeren Raum, jederzeit einer unbegrenzten Kontrolle unterworfen, bewegen sich nun voneinander isolierte Individuen, die das unmittelbare, wahrnehmbare Fundament ihrer Gemeinschaft verloren haben und nur noch Nachrichten austauschen können, gerichtet an einen gesichtslosen Namen.“ In der „Auslöschung des Gesichts“ erblickt Agamben nicht weniger als eine diktatorische „Regierungsmaschine“ und „sanitären Terror“ – und schließt mit der Behauptung: „Eine Gesellschaft ohne Gesicht […] ist eine unfreie Gesellschaft von Gespenstern. Es ist eine Gesellschaft, die als solche mehr oder weniger schnell dem Untergang geweiht ist.“ – Mein Video-Essay versteht sich in diesem Sinne als Gegenentwurf zu Agambens Kulturpessimismus. Mir erscheint das Gesicht als Ort der Politik sogar noch nie so lebendig gewesen zu sein wie heute: in Zeiten eines Selfie- und Makeup-Aktivismus, der die politische Ikonographie innerhalb weniger Jahre – seit dem Erstarken der Sozialen Medien – markant verändert und bereichert hat.

Der Video-Essay ist auf dem YouTube-Channel „Digitale Bildkulturen“ veröffentlicht und hier anzuschauen!