Kunst und Markt – zwei Videos

Im Oktober 2020 wurde ich von Lena von Geyso und Franziska Meier, zwei Doktorandinnen des Promotionskollegs „Kunst, Kultur und Märkte“ der Universität Heidelberg, zur Warenästhetik von Kunst interviewt. Dabei diskutierten wir einige Phänomene des zeitgenössischen Kunstbetriebs unter den Leitbegriffen ‚Vieldeutigkeit‘, ‚Serialität‘ und ‚Partizipation‘. Diese Begriffe sind fast immer im Spiel, wenn es darum geht, Kunstobjekte zu besonders attraktiven Konsumgütern zu machen. Das Video des Gesprächs ist nun online und hier anzuschauen!

Am 26. April 2021 nahm ich am Online-Symposium „Global – Lokal / Do the winners take it all?“ teil, das die Produzentengalerie DER MIXER im Rahmen eines Ausstellungsprojekts veranstaltete. In meinem Impulsstatement aktualisierte ich einige Überlegungen aus meinem Buch „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“ (2016) und versuchte zu zeigen, dass die global erfolgreichsten Künstler*innen mittlerweile auch für lokale Galerien und Künstler*innen zu einer Konkurrenz und damit zu einer Bedrohung werden, ja dass sie auch die lokalen Märkte zunehmend beherrschen. Andere Impulsstatements waren von Nina Tessa Zahner, Stefan Heidenreich und Hans Dieter Huber. Die darauf folgender Diskussion wurde von Dorothee Baer-Bogenschütz moderiert. Auch diese Veranstaltung ist nun komplett online verfügbar und hier anzuschauen (mein Impulsstatement beginnt bei Minute 29:05) Mehr zur Veranstaltung hier (u.a. mit ZOOM-Link): 

Video-Essay: Die Politisierung des Gesichts. Über Makeup-Aktivismus im Netz

Das Selfie, eine der ältesten und wichtigsten Gattungen von Bildern in den Sozialen Medien, hat sich in den letzten Jahren weiter ausdifferenziert. Dabei wird das Gesicht immer häufiger zu einem politischen Ort aufgeladen. Mit Makeup, Filtern, Frisuren und Accessoires wird es zum Botschafter für diverse gesellschaftspolitische Themen. Nahezu alle relevanten aktuellen politischen Diskurse schlagen sich mittlerweile also auch in Stylings nieder, die meist für Fotos innerhalb der Sozialen Medien entwickelt werden. In diesem Video-Essay, der auf einen Vortrag zurückgeht, den ich am 28. April 2021 auf Einladung der Universität Zürich gehalten habe, konzentriere ich mich auf die Analyse einiger jüngerer Entwicklungen im Bereich der Makeup-Art.

Am 30. April 2021 erschien in der „Neuen Zürcher Zeitung“ ein Text des Philosophen Giorgio Agamben, in dem er beklagt, dass es infolge der staatlich verordneten Maskenpflicht zu einem „völligen Verschwinden“ des Gesichts in der Öffentlichkeit komme. Da das Gesicht aber „der Ort der Politik“, ja „das politische Element an sich“ sei, wirft er den Staaten vor, sie hätten durch die Maskenpflicht „jede politische Dimension aus sich getilgt.“ Und weiter: „In diesem leeren Raum, jederzeit einer unbegrenzten Kontrolle unterworfen, bewegen sich nun voneinander isolierte Individuen, die das unmittelbare, wahrnehmbare Fundament ihrer Gemeinschaft verloren haben und nur noch Nachrichten austauschen können, gerichtet an einen gesichtslosen Namen.“ In der „Auslöschung des Gesichts“ erblickt Agamben nicht weniger als eine diktatorische „Regierungsmaschine“ und „sanitären Terror“ – und schließt mit der Behauptung: „Eine Gesellschaft ohne Gesicht […] ist eine unfreie Gesellschaft von Gespenstern. Es ist eine Gesellschaft, die als solche mehr oder weniger schnell dem Untergang geweiht ist.“ – Mein Video-Essay versteht sich in diesem Sinne als Gegenentwurf zu Agambens Kulturpessimismus. Mir erscheint das Gesicht als Ort der Politik sogar noch nie so lebendig gewesen zu sein wie heute: in Zeiten eines Selfie- und Makeup-Aktivismus, der die politische Ikonographie innerhalb weniger Jahre – seit dem Erstarken der Sozialen Medien – markant verändert und bereichert hat.

Der Video-Essay ist auf dem YouTube-Channel „Digitale Bildkulturen“ veröffentlicht und hier anzuschauen!

M+M: „Kein Freiheits- und Einheitsdenkmal“

Das in München ansässige Künstlerduo M+M hatte gemeinsam mit ANNABAU Architektur und Landschaft 2012 den Wettbewerb zum Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal gewonnen, der von der Stadt Leipzig ausgelobt worden war. Dennoch wurde der Entwurf unter dem Titel „Siebzigtausend“ nie realisiert, vielmehr entspannen sich infolge der Jury-Entscheidung lange und kontroverse Debatten, die letztlich dazu führten, dass der Wettbewerb komplett abgeblasen wurde. 2020 haben M+M (Marc Weis und Martin De Mattia) in der ‚edition metzel‘ des Verlags Silke Schreiber ein Buch herausgebracht, das unter dem Titel „Kein Freiheits- und Einheitsdenkmal“ den Streit, den der Wettbewerbssieg auslöste, mit vielen originalen Dokumenten rekonstruiert. Aus Anlass dieses Buchs führte ich mit M+M einen Mail-Dialog, der nun veröffentlicht wurde und hier nachzulesen ist!

Web-Talk: Angriff von allen Seiten: Kunstfreiheit in Gefahr!?

Auf Einladung der Kulturpolitischen Gesellschaft durfte ich am 20. April 2021 zusammen mit Gerhart Baum und Ina Hartwig und moderiert von Anke von Heyl zu den aktuellen Diskursen über Kunstfreiheit Stellung beziehen. Der vollständige Mitschnitt der Veranstaltung ist nun veröffentlicht – anzuschauen hier (YouTube) und anzuhören hier (Soundcloud) oder hier (Spotify)! Mein Impulsreferat beginnt bei Minute 40:30 und gründet auf der These, dass der Begriff der Kunstfreiheit mit der Krise bzw. dem Ende der autonomen Kunst seine ideelle Grundlage weitgehend eingebüßt hat und damit sehr leicht instrumentalisierbar geworden ist.

Sebastian Jungs skeptischer Aktivismus

Der in Leipzig lebende Künstler Sebastian Jung hat in den letzten Jahren diverse Zyklen von Zeichnungen angelegt, die sich sozialen Konflikten und politischen Auseinandersetzungen widmen. Vor allem Demonstrationen begleitet Jung oft mit Block und Bleistift. Seit einem Jahr sind so nicht zuletzt die durch Corona entstandenen gesellschaftlichen Verwerfungen sein Thema, also etwa die Proteste von ‚Querdenkern‘ und die Reaktionen darauf. Einige Serien dieser Zeichnungen aus der Corona-Zeit wurden nun innerhalb eines von ihm initiierten Projekts der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht. Unter dem Titel „Hot Spot Society“ werden die Zeichnungen von Statements verschiedener Expert*innen begleitet, die die sozioökonomischen Folgen der Pandemie für unterschiedlich betroffene Bevölkerungsgruppen beurteilen. Ich habe zu dem Projekt einen Essay über Jungs Zeichnungen und seine künstlerische Haltung beigesteuert:

„Die Aggressivität bei vielen Demonstrationszügen kann Jung mit seinem formelhaft reduzierten Strich genauso rauskürzen wie die Gier, Einsamkeit oder Angst von Leuten im Kaufrausch oder das Elend von Obdachlosen. Zwischen den Sujets und ihrer Darstellung entsteht auf diese Weise also ein starker Kontrast, und beim Betrachten der Zeichnungen ist man mit sehr unterschiedlichen Empfindungen zugleich beschäftigt: getriggert von der Heftigkeit des jeweiligen Themas, beeindruckt vom Mut des Künstlers, der sich beim Zeichnen nicht selten gefährlichen Situationen aussetzt, amüsiert von Kringeln und verrutschten Proportionen, von einer grundkomischen Anmutung des Personals auf den Zeichnungen. Was aber ist der Sinn dieser Widersprüchlichkeit?“

Die Antwort auf diese Frage und der gesamte Essay sind hier zu lesen!

Neue Werkformen, neue Ansprüche: Ausblicke auf die Kunstwelt der Zukunft

Dass infolge der Pandemie u.a. auch Reisen nur noch eingeschränkt möglich sind, stellt gerade für große Teile des sonst sehr reisefreudigen Kunstpublikums eine einschneidende Erfahrung dar. Was aber, wenn der aktuelle Verzicht nur einen ersten Vorgeschmack auf eine Zukunft liefert, in der es vor allem aus ökologischen Gründen nicht mehr verantwortbar sein wird, zu jeder Messe, Biennale, Blockbuster-Ausstellung zu reisen?

In einem Vortrag den ich am 25. März 2021 auf Einladung der Prince House Gallery gehalten habe, mache ich mir über eine solche Zukunft Gedanken, in der viel weniger gereist werden wird – und in der Formen von Kunst Konjunktur haben dürften, die ihrerseits nicht auf Transporte und aufwendige Reisen angewiesen sind. Dabei handelt es sich nicht nur um digitale Kunst, sondern vermutlich auch um Kunst, die vor allem aus dem Evozieren innerer Bilder besteht. Einige Künstler*innen stellen sich bereits auf die sich ändernden Verhältnisse ein, andere, die auch früher schon auf die Vorstellungskraft ihres Publikums gesetzt haben, stehen vielleicht vor einem Revival und erlangen unter ökologischen Vorzeichen neue Bedeutung.

Der Vortrag ist nun auf YouTube veröffentlicht!

„This is Germany“

Die Künstlerin Candice Breitz startete im Februar 2021 ein Projekt, bei dem unter dem Titel „This is Germany“ jeweils aktuelle Schlagworte der politischen Debatte aufgegriffen und diskutiert werden. Eingeladen sind Menschen aus unterschiedlichen Lebensbereichen, die in einem kurzen Video Stellung zu einem Begriff wie ‚bio-deutsch‘ oder ‚cancel culture‘ nehmen sollen. Das Ziel ihres Projekts beschreibt Breitz folgendermaßen:

„The basic idea is to ‚take the temperature’ of Germany 2021. Where are we, right now, as a cultural community? What’s on our minds? What brings us together? What drives us apart? Though each episode will address a different topic, the underlying questions that are likely to persist across episodes, are as follows: Who are ‘we’? What is ‘freedom of expression’ and who has access to it? What kind of cultural community do we wish to exist within? How can we grow a public sphere in which a greater diversity of voices is heard and valued?“

Die Videos werden sowohl bei Facebook als auch bei YouTube veröffentlicht. Meine ersten Beiträge zu dem Projekt sind hier anzuschauen:

Update vom 13. März 2021:

Es gibt ein weiteres Video:

Update vom 12. April 2021:

Und noch ein Video:

Nils Pooker: „Autopsie einer Bildkritik“

Wird man als Kunstwissenschaftler üblicherweise erst um eine Beurteilung gebeten, wenn ein Werk vollendet ist, so gibt es auch Fälle, bei denen man bereits während des Werkprozesses mit dem Künstler diskutieren und das weitere Vorgehen besprechen kann. Eine wirkliche Ausnahme stellt es aber dar, dass eine die Werkentstehung begleitende Diskussion von vornherein geplant und zum Teil des künstlerischen Konzepts erklärt wird. Genau das machte Nils Pooker, als er im Herbst 2018 sein Projekt „Autopsie einer Bildkritik“ startete. Dies ist eine Arbeit über ein Kapitel deutscher Ideologie und Ikonografie, die den Bogen von der Romantik Caspar David Friedrichs über den Nationalsozialismus bis hin zur Fotografie Andreas Mühes spannt: eine eindrucksvolle und in ihren Methoden beispielhafte Konzeptkunst. Es zeichnet sie vor allem aus, Bilder so ernst zu nehmen, dass ihre Genese möglichst genau beobachtet, reflektiert und analysiert werden soll. Dazu fotografierte und filmte Pooker nicht nur den gesamten Prozess seiner gemalten Bildkritik, sondern stellte in einem E-Mail-Dialog mit mir die einzelnen formalen Entscheidungen seines Projekts zur Diskussion. Nichts an diesem Projekt sollte ‚einfach so‘ stattfinden, sondern über fast zwei Jahre hinweg tauschten wir uns über die jeweils nächsten Schritte aus. Nun hat Nils Pooker die konzeptuellen Voraussetzungen sowie die gesamte Dokumentation des Projekts veröffentlicht – darunter auch unseren (Achtung: sehr langen!) E-Mail-Dialog.

Zu den Bildern der Erstürmung des Kapitols

In Reaktion auf die Stürmung des Kapitols in Washington durch Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 schrieb ich einen Beitrag für den Bayerischen Rundfunk. Darin interpretiere ich das Geschehene als Re-Enactment von Plots und Phantasien, die davor bereits intensiv in den Sozialen Medien ausgelebt worden waren. Das ist hier nachzulesen bzw. nachzuhören!

Auch der SWR interviewte mich zu dem Thema – nachzuhören hier!

Online-Veranstaltungen – eine Auswahl

Mittlerweile haben etliche Institutionen ihre Veranstaltungsformate erfolgreich in das Netz übertragen. Die Vorträge und Diskussionsrunden, die nun per Videokonferenz stattfinden, haben aufgrund der Ortsunabhängigkeit nicht selten sogar ein größeres Publikum als bisher, und sofern sie aufgezeichnet werden, stehen sie zudem dauerhaft zur Verfügung. Daher sei im folgenden eine Auswahl von Veranstaltungen aus diesem Herbst vorgestellt:

Auf dem von Michael Grossmann organisierten Festival „Fire a 1000 Poems“ fasste ich am 5. November in einem Eingangsvortrag einige meiner Thesen des 2016 publizierten Buchs „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“ zusammen, über die dann im folgenden diskutiert wurde – anzuschauen hier!

Beim ‚Art Cologne Talk‘ sprach Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunstmagazins ‚Monopol‘, am 10. November mit dem Künstler Thomas Huber und mir über Hubers Kunst, Unternehmenssammlungen und künstlerische Verantwortung – anzuschauen hier!

Innerhalb der an der TU Dresden von Kerstin Schankweiler veranstalteten Ringvorlesung „Bildkulturen des Digitalen“ sprach ich am 16. November über Selfies – in Weiterführung meines gleichnamigen Buchs von 2019 – anzuschauen hier!

Das ‚Charlottenburger Institut für Philosophie‘ lud mich am 24. November zu einem Live-Podcast unter dem Titel „Was darf die Kunst?“ ein. Wir sprachen, ausgehend von meinem Buch „Feindbild werden. Ein Bericht“, über die Rechtsverschiebung des Begriffs der Kunstautonomie, über Unterschiede des Kunstverständnisses in Ost- und Westdeutschland, über Postmoderne, Konsumismus und Kapitalismuskritik – nachzuhören hier!

Innerhalb der von Nina Venus veranstalteten Vortragsreihe ‚Kunst und Karriere‘ der Muthesius Kunsthochschule hielt ich am 26. November einen Vortrag unter dem Titel „Der kreative Mensch“, der auf mein gleichnamiges Buch von 2016 Bezug nimmt und einige Überlegungen von dort weiterführt – nachzuhören hier!