ZEIT-Artikel über die Wagenfeld-Leuchte

bildschirmfoto-2017-01-06-um-14-54-45

Sie ist seit einiger Zeit wohl das bekannteste Dingdenkmal des Bauhauses: die Wagenfeld-Leuchte aus dem Jahr 1923. Aber warum? Und zurecht? – Ich stelle diese Fragen und gehe dem Mythos dieses merkwürdigen Designobjekts nach:

800px-kersting_-_junge_frau_beim_schein_einer_lampe_nahend„Dass die Wagenfeld-Leuchte auch schon auf einem der nächtlichen Interieurs des Biedermeier-Malers Georg Friedrich Kersting auftauchen könnte, ja dass sie selbst im Umfeld der Größen der ersten Blütezeit Weimars, etwa in Goethes Wohnhaus, alles andere als ein Fremdkörper wäre, verleiht ihr einen geschichtlichen Tiefenraum, der sie umso wertvoller erscheinen lässt.“ –> hier zum Artikel

Georg Friedrich Kersting:
Junge Frau, beim Schein einer Lampe lesend, 1825

Jahresrückblick 2016: Diskussionshöhepunkte

Auf drei öffentliche Diskussionen, an denen ich während des Jahres 2016 teilnahm (und die auch – danke! – aufgezeichnet wurden), blicke ich besonders gerne zurück. In ihnen wurde zum Teil kräftig gestritten, und konträre Standpunkte kamen so klar zur Geltung, dass zumindest ich danach einiges besser verstanden habe. Daher will ich meinen Diskussionspartnern herzlich für die gemeinsame Zeit danken.

1. Am 10. März 2016 fand innerhalb der „plastikBar“ des Lehmbruck-Museums in Duisburg eine Diskussion über Kunstvermittlung statt. Nachdem ich im Frühjahr 2015 mit einem polemischen Artikel in der ZEIT eine Debatte über Sinn und Grenzen von Kunstvermittlung ausgelöst hatte, war nun die erste Gelegenheit, mit zwei besonders erfahrenen Kunstvermittlerinnen – mit Claudia Thümler und Sybille Kastner – über meine Thesen zu streiten. Entsprechend aufgeladen war die Stimmung von vornherein. Moderiert wurde das Gespräch von Jörg Mascherrek:

Bildschirmfoto 2016-12-18 um 09.11.45.png

2. Im Salon Kufsteiner Straße (Berlin), einer großartigen Initiative von Lothar und Christiane Pues, trafen der Kunstphilosoph Harry Lehmann und ich am 27. Mai 2016 aufeinander, um über unsere beiden kurz zuvor erschienenen Bücher – „Gehaltsästhetik“ und „Siegerkunst“ – zu diskutieren. So sehr wir beide versuchen, Entwicklungen der jüngeren und aktuellen Kunst theoretisch zu fassen, so unterschiedlich sind unsere Standpunkte in Methode wie Ziel. Wir begannen damit, das Buch des jeweils anderen vorzustellen, und gerieten dann in eine zum Teil sehr detaillierte Diskussion, die zwar lange dauerte, aber doch erst ein Anfang war:

bildschirmfoto-2016-12-18-um-09-14-31

3. Die „Denkerei“ von Bazon Brock am Oranienplatz in Berlin macht ihrem Namen immer wieder alle Ehre und ist ein Ort, an dem oft laut gedacht und noch lauter gestritten wird. Gemessen an den dortigen Standards war die Diskussion, die Juliane Rebentisch, Lambert Wiesing und ich am 4. Juli 2106 unter dem Titel „Ästhetik des Besitzens“ führten, geradezu sanft. Dennoch: Zwei ganz unterschiedliche Paradigmen ästhetischen Denkens wurden hierbei sehr greifbar: (Achtung: Die Veranstaltung beginnt erst in Minute 8:00!)

bildschirmfoto-2016-12-18-um-09-17-59

 

Aufsatz über ‚Art Handling‘

abb-1_antoine-watteau-5e81f32ed87217bacebd71d26b7ddcd2

Antoine Watteau: L’Enseigne de Gersaint, 1720/1721, Öl auf Holz, 163 x 308 cm, 
Schloss Charlottenburg, Berlin

Im US-amerikanischen Magazin „Art Handler“ (No. 2) erschien ein Aufsatz von mir, in dem ich die Rolle des Personals würdige, das für den Aufbau, Transport und Betrieb von Kunstwerken zuständig ist. Da diese Menschen gerade im Fall von Installationskunst – die das Installiert-Werden ja schon im Namen trägt – von entscheidender Bedeutung sind, ist kaum nachzuvollziehen, wie wenig sichtbar ‚Art Handler‘ im allgemeinen sind – und wie prekär ihre Position und wie schlecht ihre Bezahlung in den meisten Fällen ist. Ausgehend von zwei Gemälden von Antoine Watteau und Thomas Huber plädiere ich dafür, die oft nur ausgebeuteten und missachteten Diener des Kunstbetriebs als diejenigen anzuerkennen, die die Kunst erst zu sich bringen.

abb-2_thomas-huber-11f0df8171e96e9837d16fb84a114921

Thomas Huber: Das Ladenschild, 2014, Öl auf Leinwand, 110 x 240 cm, Privatbesitz

Die englische Übersetzung des Textes (mit Abbildungen) ist unter dem Titel „The Dialectics of a Service Relationship“ publiziert.

Die deutsche Fassung (ohne Bilder) ist nachzulesen unter art-handling.

Festvortrag für Wolfgang Kemp

bildschirmfoto-2016-11-26-um-10-11-04

Am 28. November 2016 hielt ich den Festvortrag aus Anlass des 70. Geburtstags von Wolfgang Kemp. Darin widme ich mich aktuellen Formen der Kunstrezeption, wie sie vor allem in den Sozialen Medien zu beobachten sind. Hat Kemp sich in seinem Werk viel mit dem schweigenden Rezipienten der Kunstreligion und dem expliziten Betrachter der partizipativen Kunst befasst, so hat man es hier zunehmend mit einem aktivierten User zu tun, der Bilder innerhalb der Kommunikation der Sozialen Medien analog zu Redewendungen als ‚Bildwendungen‘ nutzt. Was aber heißt es, wenn Werke zu Wendungen werden?

Der Vortrag ist nachzulesen unter festvortrag-wolfgang-kemp.

Eine kürzere Darstellung des Themas wurde in der Social Media Kolumne der Pop-Zeitschrift unter dem Titel „Bildwendungen“ publiziert.

Katalogtext über Fritz Schwegler

bildschirmfoto-2016-11-18-um-14-53-58






















Fritz Schwegler: Effeschiade 188 
(„Ausschlaggebender schwarzer 
Damenfuß“), 1969

Für den Katalog zur Ausstellung „Fritz Schwegler“, die am 10. November 2016 in der Kunsthalle Mannheim eröffnet wurde, habe ich einen Beitrag verfasst. Unter dem Titel „Ende der Inkubationszeit“ interpretiere ich Schwegler darin als einen Künstler, dessen Werk ausdrücklich darauf angelegt ist, inspirierend auf andere zu wirken. Seine in sogenannten ‚Urnotizen‘ gefassten Bildeinfälle übertrug er nicht nur selbst wiederholt in andere Formen und Medien, sondern sah sie vor allem auch als Partituren an, nach denen andere Menschen ihrerseits bildnerisch tätig werden können. Bestenfalls sollten seine Urnotizen so nach und nach zu „Volkseigentum“ werden.

Weiterlesen

Vortrag „Verwandeln und vermitteln. Sozialpolitik im Museum“

Am 11. November 2016 hielt ich auf dem Symposium „Philosophie des Museums“, das im Berliner Bode-Museum stattfand, einen Vortrag unter dem Titel „Verwandeln und Vermitteln. Sozialpolitik im Museum“. Darin widme ich mich in einem ersten – historischen – Teil der Frage, warum es (gerade) für Museen zu einer Aufgabe werden konnte, Kunst zu vermitteln. Im weiteren geht es darum, Grenzen des Vermittelbaren auszuloten, vor allem aber genauer zu bestimmen, welche Funktion das Museum im Zeitalter des Vermittelns – unter dem Paradigma einer „Kultur für alle“ – hat. Wird es  zunehmend zu einem Ort der Sozialpolitik, so ist das umso brisanter, da bildende Kunst gegenwärtig andererseits  wieder stärker an den Interessen der Reichen und Mächtigen orientiert ist. Soll mit dem Vermitteln von Kunst also ein Ausgleich zwischen weit voneinander entfernten Milieus der Gesellschaft hergestellt werden?

Der Vortrag knüpft an die Debatte über Kunstvermittlung aus dem Frühjahr 2015 an und ist vollständig abzurufen unter verwandeln-und-vermitteln.

Essay über Urheberrecht als Mittel der Postproduktion und Diskurskontrolle

Seit ich im Frühjahr 2016 die Erfahrung machte, dass mir für mein Buch „Siegerkunst. Neuer Adel, teure Lust“ diverse Reproduktionsgenehmigungen verweigert oder nicht gewährt wurden und seit dies auch mehrfach zu Diskussionen geführt hat, habe ich mich mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen ausgetauscht, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das wurde zur Grundlage für einen Vortrag, den ich am 21. Oktober 2016 auf dem Heidelberger Kunstrechtstag gehalten habe. Darin versuche ich, die in den letzten Jahren bemerkbaren Veränderungen in der Nutzung von Urheberrechten in einen größeren ideengeschichtlichen Rahmen zu stellen. Mich interessiert, was für ein Verständnis ihrer Rolle als Künstler und was für einen Werkbegriff Urheber haben, wenn sie eine möglichst große Verbreitung von Reproduktionen ihrer Werke zu verhindern suchen. Was heißt es, wenn das Urheberrecht zum Instrument der Rezeptionsgestaltung wird? Und was bedeutet es, wenn eine Strategie der Verknappung, wie sie für den auf Originale fixierten Kunstmarkt üblich ist, nun auch auf den Umgang mit Reproduktionen ausgedehnt wird? Ist darin gar eine Gegenbewegung zum freien Umgang mit Bildern in den Social Media zu sehen?

Mein Vortrag ist auf den Seiten des Perlentaucher veröffentlicht.

Eine vollständige englische Übersetzung des Vortragstexts ist abzurufen unter copyright-and-post-production.