Spenden für die Schale (ZEIT-Kommentar)

Nachdem das Einheits- und Freiheitsdenkmal in Berlin nun doch gebaut werden soll, habe ich in einem kurzen Kommentar in der ZEIT dafür plädiert, die von den Planern propagierte Idee einer Partizipation der Bürger doch wenigstens richtig ernst zu nehmen – zumindest so ernst, wie sie vor über hundert Jahren genommen wurde, als mit dem Leipziger Völkerschlachtdenkmal schon einmal ein Einheits- und Freiheitsdenkmal errichtet wurde. -> hier der Kommentar!

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aus: "Das Völkerschlachtdenkmal - Weiheschrift" (1913) - Auflistung
der Spendenentwicklung des "Deutschen Patrioten-Bundes" (D.P.-B.), 
oben Plan der gesamten Anlage zusammen mit einer 'Kampfbahn'

 

Fotogene Produkte

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Für brand eins habe ich einen Artikel darüber geschrieben, wie sich das Produktdesign in Zeiten von Social Media und Influencer-Marketing verändert:

„In Zeiten, in denen viele Menschen mehrere Social Media-Plattformen parallel bespielen und ihren Freunden und Followern dauernd etwas bieten müssen, sind Produkte, die sich zum Fotografieren eignen oder als Motive sogar geradezu aufdrängen, umso willkommener. Daher besteht auch eine Neigung zu besonders witzig oder verspielt gestalteten Produkten. So wie es früher ‚conversation pieces’ gab, also Designstücke, die nicht unbedingt praktisch waren, aber aufgrund einer ungewöhnlichen Formsprache Anlass zu Diskussion boten, könnte man heute von ‚photographic pieces’ sprechen: Produkte, die vor allem dazu da sind, oft fotografiert zu werden.“

Den kompletten Artikel gibt es hier.

„Essen als Konfession“ (Radio-Essay)

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Im SWR 2 wurde am 13. Februar 2017 mein Essay „Essen als Konfession“ gesendet, in dem ich mich mit zeitgenössischen Formen des Umgangs mit Ernährung auseinandersetze. Mich interessiert die Aufwertung des Essens zu einem Medium für Bekenntnisse und zu einem Ort der (Selbst)inszenierung. Hier ein paar Thesen:

„Auf der Video-Plattform „YouTube“ finden sich unzählige Videos von Menschen, die von ihrer Ernährungsumstellung berichten und den Zuschauern Mut machen, sich auf denselben Weg zu begeben. Oft handelt es sich, wie auch sonst bei YouTubern, um junge Leute – 16-, 18-, 20-jährig –, die sich in absoluter Ernsthaftigkeit Video um Video mit ihrer Ernährungsumstellung befassen: Ausführlich legen sie die Gründe dar, warum sie vegan geworden sind oder künftig komplett auf irgendetwas verzichten, äußerst gewissenhaft beschreiben sie alle Veränderungen, die sie infolge ihrer neuen Ernährungsgewohnheiten verspüren, nicht ohne Pathos schildern sie die – oft ablehnenden – Reaktionen von Familienmitgliedern und Freunden, durch die sie zu Außenseitern werden. Wer sich daran erinnert, welcher Habitus unter Jugendlichen noch vor zwei, drei Generationen üblich war, kann nicht aufhören, sich über das Auftreten der Ernährungsumsteller zu wundern. Statt mit Drogenerfahrungen, Exzessen und Mutproben anzugeben, ja statt mit Ausnahmezuständen zu sympathisieren und sich draufgängerisch zu geben, beschwören sie einfach ein gesundes Leben. Voller Genugtuung teilen sie mit, wovon sie sich befreit haben und wie sie dadurch bei sich selbst angekommen sind. Überschüssige Kräfte werden nicht ausgelebt oder geradezu mutwillig vernichtet, indem man beim Essen und Trinken über die Stränge schlägt, sondern man haushaltet vernünftig damit, hegt und pflegt sie, sorgt sich bei jeder kleinen Übertretung.“

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„Ludger Gerdes: Nirgendwo zu Hause“ (Katalogbeitrag)

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In der Kunsthalle zu Kiel wurde am 10. Februar 2017 die Ausstellung zu Ludger Gerdes „Von Angst bis Wollen“ eröffnet. Ich durfte zur Eröffnung sprechen; ebenso bin ich im Katalog zur Ausstellung, die zuvor in anderer Form im Kunstmuseum Krefeld zu sehen war, mit einem Aufsatz vertreten. Darin analysiere ich vor allem Ludger Gerdes‘ Sonderstellung zwischen Moderne, Postmoderne und Antimoderne:

„Bestimmte Novalis Philosophie als Heimweh: als den Trieb, überall zu Hause zu sein, so entstand Gerdes’ künstlerisches wie theoretisches Werk im Gegenteil aus dem Trieb, sich von allem zu distanzieren und damit nirgendwo zu Hause zu sein. Das war auch der Grund dafür, dass dieses Werk so vielfältig ist und immer wieder unvorhersehbare, überraschende Wendungen nahm.“

Mein Katalogbeitrag ist nachzulesen unter nirgendwo-zu-hause

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„Architektur & Werte“ (Vortrag)

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Beim Jahresempfang 2017 des Bundes Deutscher Architekten BDA, Landesverband Baden-Württemberg, durfte ich am 6. Februar 2017 den Festvortrag halten. Er stand unter dem Titel „Architektur & Werte. Über ein ganz und gar nicht triviales Verhältnis“.

Hier einige Thesen:

„Blickt man etwas genauer darauf, wie die Werte sich im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als Größen sowohl im philosophischen Diskurs als auch in der Umgangssprache etablierten, ja wie zunehmend mehr Themen der Ethik und Politik als Wertefragen reformuliert wurden, fällt eine Sache besonders auf. So werden Werte generell – nicht nur in Bezug auf Architekten oder Gestalter – als etwas beschrieben, das immer erst umgesetzt, verkörpert, verwirklicht werden muss. Ohne möglichst vielfältige Weisen, sich zu ihnen zu bekennen und sie real werden zu lassen, erlangen sie keine Verbindlichkeit. Anders als eine auf Tugenden oder Pflichten gegründete Ethik, bei der es

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Pioniere der Food-Fotografie (I)

bildschirmfoto-2017-02-01-um-10-26-44Zusammen mit Annekathrin Kohout beginne ich in diesem Jahr eine Interview-Reihe, in der wir Pioniere der Food-Fotografie treffen. Wir sprechen mit Fotografen, die im letzten Jahrhundert ein Genre entdeckt oder maßgeblich beeinflusst haben, das als solches bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. Wie ist die Lebensmittel-Fotografie entstanden? Und wer hat die ästhetischen Standards gesetzt, von denen Instagram-Foodies noch heute profitieren?

Als ersten trafen wir Christian Teubner, der in den 1950er Jahren begonnen hat, Essen zu fotografieren. Es dürfte kaum einen Haushalt in Deutschland geben, in dem nicht das ein oder andere Kochbuch steht, dessen Fotos von ihm stammen. Hier geht es zum Interview!

Trump als Metapher

Warum wird Donald Trump so gerne mit Jeff Koons verglichen? Das frage ich in einem Essay, den ich für das Kunstmagazin ‚Art‘ geschrieben habe.

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Beide, so ein Teil der Antwort, beherrschen eine Strategie der „Willkür und, je nach Standpunkt, geschmackloser oder glamouröser Übertreibung“. Dennoch ist ein Vergleich zwischen beiden eine Verharmlosung:

„Denn während ein Künstler einfach nur seine Autonomie unter Beweis stellen will, wenn er bei dem, was er sagt und tut, bewusst nicht auf Kohärenz und Evidenz achtet, kann die Verunsicherung, die ein Politiker mit willkürlichem Verhalten erzeugt, schnell zu gesellschaftlichen oder internationalen Krisen führen. Und nicht nur das. Ein derartiger Politikstil ist zutiefst undemokratisch. Mit Strategien permanenter Überraschung und Verwirrung werden Maßstäbe außer Kraft gesetzt, Argumente der Gegner laufen ins Leere, und am Ende steht, wie der ungehinderte Siegeszug Trumps beweist, eine vollständige Selbstimmunisierung.“

Um das Gefährliche von Trumps Strategie besser zu verstehen, hilft überraschenderweise ein 1978 publizierter Aufsatz des US-amerikanischen Philosophen Donald Davidson, der eigentlich der Bedeutung von Metaphern gewidmet ist. Und warum das so ist, schreibe ich hier.

ZEIT-Artikel über die Wagenfeld-Leuchte

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Sie ist seit einiger Zeit wohl das bekannteste Dingdenkmal des Bauhauses: die Wagenfeld-Leuchte aus dem Jahr 1923. Aber warum? Und zurecht? – Ich stelle diese Fragen und gehe dem Mythos dieses merkwürdigen Designobjekts nach:

800px-kersting_-_junge_frau_beim_schein_einer_lampe_nahend„Dass die Wagenfeld-Leuchte auch schon auf einem der nächtlichen Interieurs des Biedermeier-Malers Georg Friedrich Kersting auftauchen könnte, ja dass sie selbst im Umfeld der Größen der ersten Blütezeit Weimars, etwa in Goethes Wohnhaus, alles andere als ein Fremdkörper wäre, verleiht ihr einen geschichtlichen Tiefenraum, der sie umso wertvoller erscheinen lässt.“ –> hier zum Artikel

Georg Friedrich Kersting:
Junge Frau, beim Schein einer Lampe lesend, 1825