Deko und Diskurs

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Bei Perlentaucher habe ich einen Essay veröffentlicht, in dem ich darüber spekuliere, ob in der Kunst so etwas wie ein Schisma bevorsteht. Gerade die jüngsten Erfahrungen des ‚Superkunstjahrs 2017‘ bewegen mich dazu. Wird man also auch in zehn Jahren noch von einem Superkunstjahr sprechen?

„Selbst und gerade wenn die Preise auf Großmessen dann noch höher und die kuratorischen Botschaften auf Großereignissen noch lauter und politischer als heute sein sollten, könnte es sein, dass niemand mehr ein Superkunstjahr erkennen kann. Und dies aus dem einfachen Grund, dass eine Documenta und eine Art Basel – allgemeiner: ein kuratorisches und ein kommerzielles Event – nicht mehr gleichermaßen als Kunstveranstaltungen wahrgenommen werden. Tatsächlich scheint mir vorstellbar, dass innerhalb der bildenden Kunst ein Schisma stattfindet, weil sich all das, was bisher noch unter ‚Kunst‘ gefasst werden konnte, immer weiter auseinanderentwickelt. Ein Schisma – das hieße, dass sich einzelne Teile des Kunstbetriebs abspalten, sich institutionell verselbständigen, sich nicht mehr miteinander verbinden lassen.“

Warum das so sein könnte und was es bedeuten würde, ist hier zu lesen!

Die Idee des offenen Museums: Geschichte und Problematik

Das Art Centre Basel hat eine Ausstellung erarbeitet, die sich unter dem Titel „New Museums“ dem zeitgenössischen Museumsbau widmet und dabei Beispiele aus der gesamten Welt vorstellt. Die Ausstellung ist im Musée d’Art et d’Historie in Genf noch bis zum 8. Oktober 2017 zu sehen. Für den Katalog habe ich einen Beitrag geschrieben, in dem ich mich mit der Idee des ‚offenen Museums‘ befasse, die in den meisten aktuellen Museumsentwürfen eine große Rolle spielt. Woher kommt diese Idee? Was bedeutet sie vor dem Hintergrund der Museumsgeschichte? Welche Probleme entstehen daraus? Und warum wird gerade von Kunstmuseen Offenheit erwartet?

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„Publikationen zur Zukunft der Kunstmuseen hatten schon öfters Konjunktur. Aber sie waren nie so zahlreich wie in den frühen 1970er Jahren. Die durch die 68er-Bewegung entfachte Aufbruchsstimmung provozierte ein Nachdenken gerade auch über die Institutionen, die im Verdacht des Konservativen und Altmodischen standen. So wurde ausgelotet, wie sich Museen verändern und insbesondere ihre gesellschaftspolitischen Wirkungen steigern ließen. Im Rückblick fällt auf, dass die wichtigsten der damals propagierten Ideen mittlerweile Realität geworden sind. Manches, was den Zeitgenossen ehedem als kühn erschienen sein mag, wird heute ganz selbstverständlich und vielleicht sogar noch weitergehend praktiziert. Ob es um Kunstvermittlung oder Angebote für museumsferne Milieus, um die Einbeziehung neuer Medien oder darum geht, den Besuchern zusätzlich zur ständigen Sammlung Wechselausstellungen und besondere Events, aber auch Shops sowie eine niveauvolle Gastronomie zu bieten – um 1970 stand es auf der Agenda vieler Zukunftskonzepte, inzwischen ist es bei zahlreichen Neu- und Erweiterungsbauten, aber auch bei Umstrukturierungen traditionsreicher Häuser verwirklicht worden. Der lange Marsch durch die Institutionen, den sich die 68er vorgenommen hatten, ist im Fall des Kunstmuseums also besonders erfolgreich geglückt.“

Den gesamten (im Katalog auf Englisch und Französisch publizierten) Aufsatz gibt es auf Deutsch zu lesen unter Das offene Museum.

Herrscher über die eigene Zeit (NZZ-Folio 6/17)

In meiner NZZ-Kolumne „Aus der Warenwelt“ geht es diesmal um „Bullet Journals“ und die Frage, warum so viele Menschen damit begonnen haben, Zeitplaner zu verwenden, denen alles fehlt, was Kalender üblicherweise ausmachen: Jedes Datum, jeder Monatsname, jede Überschrift muss zuerst eigenhändig darin eingetragen werden.

Bildschirmfoto 2017-06-19 um 12.34.19Ein „Bullet Journal“ zu führen, kostet also sicher mehr Zeit, als der gewonnene Überblick einzusparen hilft… Hier der Text.