Pioniere der Food-Fotografie (I)

bildschirmfoto-2017-02-01-um-10-26-44Zusammen mit Annekathrin Kohout beginne ich in diesem Jahr eine Interview-Reihe, in der wir Pioniere der Food-Fotografie treffen. Wir sprechen mit Fotografen, die im letzten Jahrhundert ein Genre entdeckt oder maßgeblich beeinflusst haben, das als solches bisher nur wenig Beachtung gefunden hat. Wie ist die Lebensmittel-Fotografie entstanden? Und wer hat die ästhetischen Standards gesetzt, von denen Instagram-Foodies noch heute profitieren?

Als ersten trafen wir Christian Teubner, der in den 1950er Jahren begonnen hat, Essen zu fotografieren. Es dürfte kaum einen Haushalt in Deutschland geben, in dem nicht das ein oder andere Kochbuch steht, dessen Fotos von ihm stammen. Hier geht es zum Interview!

Trump als Metapher

Warum wird Donald Trump so gerne mit Jeff Koons verglichen? Das frage ich in einem Essay, den ich für das Kunstmagazin ‚Art‘ geschrieben habe.

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Beide, so ein Teil der Antwort, beherrschen eine Strategie der „Willkür und, je nach Standpunkt, geschmackloser oder glamouröser Übertreibung“. Dennoch ist ein Vergleich zwischen beiden eine Verharmlosung:

„Denn während ein Künstler einfach nur seine Autonomie unter Beweis stellen will, wenn er bei dem, was er sagt und tut, bewusst nicht auf Kohärenz und Evidenz achtet, kann die Verunsicherung, die ein Politiker mit willkürlichem Verhalten erzeugt, schnell zu gesellschaftlichen oder internationalen Krisen führen. Und nicht nur das. Ein derartiger Politikstil ist zutiefst undemokratisch. Mit Strategien permanenter Überraschung und Verwirrung werden Maßstäbe außer Kraft gesetzt, Argumente der Gegner laufen ins Leere, und am Ende steht, wie der ungehinderte Siegeszug Trumps beweist, eine vollständige Selbstimmunisierung.“

Um das Gefährliche von Trumps Strategie besser zu verstehen, hilft überraschenderweise ein 1978 publizierter Aufsatz des US-amerikanischen Philosophen Donald Davidson, der eigentlich der Bedeutung von Metaphern gewidmet ist. Und warum das so ist, schreibe ich hier.

ZEIT-Artikel über die Wagenfeld-Leuchte

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Sie ist seit einiger Zeit wohl das bekannteste Dingdenkmal des Bauhauses: die Wagenfeld-Leuchte aus dem Jahr 1923. Aber warum? Und zurecht? – Ich stelle diese Fragen und gehe dem Mythos dieses merkwürdigen Designobjekts nach:

800px-kersting_-_junge_frau_beim_schein_einer_lampe_nahend„Dass die Wagenfeld-Leuchte auch schon auf einem der nächtlichen Interieurs des Biedermeier-Malers Georg Friedrich Kersting auftauchen könnte, ja dass sie selbst im Umfeld der Größen der ersten Blütezeit Weimars, etwa in Goethes Wohnhaus, alles andere als ein Fremdkörper wäre, verleiht ihr einen geschichtlichen Tiefenraum, der sie umso wertvoller erscheinen lässt.“ –> hier zum Artikel

Georg Friedrich Kersting:
Junge Frau, beim Schein einer Lampe lesend, 1825

Jahresrückblick 2016: Diskussionshöhepunkte

Auf drei öffentliche Diskussionen, an denen ich während des Jahres 2016 teilnahm (und die auch – danke! – aufgezeichnet wurden), blicke ich besonders gerne zurück. In ihnen wurde zum Teil kräftig gestritten, und konträre Standpunkte kamen so klar zur Geltung, dass zumindest ich danach einiges besser verstanden habe. Daher will ich meinen Diskussionspartnern herzlich für die gemeinsame Zeit danken.

1. Am 10. März 2016 fand innerhalb der „plastikBar“ des Lehmbruck-Museums in Duisburg eine Diskussion über Kunstvermittlung statt. Nachdem ich im Frühjahr 2015 mit einem polemischen Artikel in der ZEIT eine Debatte über Sinn und Grenzen von Kunstvermittlung ausgelöst hatte, war nun die erste Gelegenheit, mit zwei besonders erfahrenen Kunstvermittlerinnen – mit Claudia Thümler und Sybille Kastner – über meine Thesen zu streiten. Entsprechend aufgeladen war die Stimmung von vornherein. Moderiert wurde das Gespräch von Jörg Mascherrek:

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2. Im Salon Kufsteiner Straße (Berlin), einer großartigen Initiative von Lothar und Christiane Pues, trafen der Kunstphilosoph Harry Lehmann und ich am 27. Mai 2016 aufeinander, um über unsere beiden kurz zuvor erschienenen Bücher – „Gehaltsästhetik“ und „Siegerkunst“ – zu diskutieren. So sehr wir beide versuchen, Entwicklungen der jüngeren und aktuellen Kunst theoretisch zu fassen, so unterschiedlich sind unsere Standpunkte in Methode wie Ziel. Wir begannen damit, das Buch des jeweils anderen vorzustellen, und gerieten dann in eine zum Teil sehr detaillierte Diskussion, die zwar lange dauerte, aber doch erst ein Anfang war:

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3. Die „Denkerei“ von Bazon Brock am Oranienplatz in Berlin macht ihrem Namen immer wieder alle Ehre und ist ein Ort, an dem oft laut gedacht und noch lauter gestritten wird. Gemessen an den dortigen Standards war die Diskussion, die Juliane Rebentisch, Lambert Wiesing und ich am 4. Juli 2106 unter dem Titel „Ästhetik des Besitzens“ führten, geradezu sanft. Dennoch: Zwei ganz unterschiedliche Paradigmen ästhetischen Denkens wurden hierbei sehr greifbar: (Achtung: Die Veranstaltung beginnt erst in Minute 8:00!)

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Aufsatz über ‚Art Handling‘

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Antoine Watteau: L’Enseigne de Gersaint, 1720/1721, Öl auf Holz, 163 x 308 cm, 
Schloss Charlottenburg, Berlin

Im US-amerikanischen Magazin „Art Handler“ (No. 2) erschien ein Aufsatz von mir, in dem ich die Rolle des Personals würdige, das für den Aufbau, Transport und Betrieb von Kunstwerken zuständig ist. Da diese Menschen gerade im Fall von Installationskunst – die das Installiert-Werden ja schon im Namen trägt – von entscheidender Bedeutung sind, ist kaum nachzuvollziehen, wie wenig sichtbar ‚Art Handler‘ im allgemeinen sind – und wie prekär ihre Position und wie schlecht ihre Bezahlung in den meisten Fällen ist. Ausgehend von zwei Gemälden von Antoine Watteau und Thomas Huber plädiere ich dafür, die oft nur ausgebeuteten und missachteten Diener des Kunstbetriebs als diejenigen anzuerkennen, die die Kunst erst zu sich bringen.

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Thomas Huber: Das Ladenschild, 2014, Öl auf Leinwand, 110 x 240 cm, Privatbesitz

Die englische Übersetzung des Textes (mit Abbildungen) ist unter dem Titel „The Dialectics of a Service Relationship“ publiziert.

Die deutsche Fassung (ohne Bilder) ist nachzulesen unter art-handling.

Festvortrag für Wolfgang Kemp

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Am 28. November 2016 hielt ich den Festvortrag aus Anlass des 70. Geburtstags von Wolfgang Kemp. Darin widme ich mich aktuellen Formen der Kunstrezeption, wie sie vor allem in den Sozialen Medien zu beobachten sind. Hat Kemp sich in seinem Werk viel mit dem schweigenden Rezipienten der Kunstreligion und dem expliziten Betrachter der partizipativen Kunst befasst, so hat man es hier zunehmend mit einem aktivierten User zu tun, der Bilder innerhalb der Kommunikation der Sozialen Medien analog zu Redewendungen als ‚Bildwendungen‘ nutzt. Was aber heißt es, wenn Werke zu Wendungen werden?

Der Vortrag ist nachzulesen unter festvortrag-wolfgang-kemp.

Eine kürzere Darstellung des Themas wurde in der Social Media Kolumne der Pop-Zeitschrift unter dem Titel „Bildwendungen“ publiziert.

Katalogtext über Fritz Schwegler

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Fritz Schwegler: Effeschiade 188 
(„Ausschlaggebender schwarzer 
Damenfuß“), 1969

Für den Katalog zur Ausstellung „Fritz Schwegler“, die am 10. November 2016 in der Kunsthalle Mannheim eröffnet wurde, habe ich einen Beitrag verfasst. Unter dem Titel „Ende der Inkubationszeit“ interpretiere ich Schwegler darin als einen Künstler, dessen Werk ausdrücklich darauf angelegt ist, inspirierend auf andere zu wirken. Seine in sogenannten ‚Urnotizen‘ gefassten Bildeinfälle übertrug er nicht nur selbst wiederholt in andere Formen und Medien, sondern sah sie vor allem auch als Partituren an, nach denen andere Menschen ihrerseits bildnerisch tätig werden können. Bestenfalls sollten seine Urnotizen so nach und nach zu „Volkseigentum“ werden.

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