Katalogtext über Thomas Kitzinger

Bildschirmfoto 2020-05-23 um 16.52.26Am 24. Mai 2020 eröffnet in der Paul Ege Art Collegion (PEAC) in Freiburg/Br. die Ausstellung „24.10.1955“ des Malers Thomas Kitzinger. Sie zeigt seine seit 2008 entstehende Serie von Porträts. Für den Katalog habe ich einen Text geschrieben, in dem ich versuche, Kitzingers Porträtmalerei näher zu bestimmen und historisch einzuordnen. Dabei stelle ich u.a. fest:

„So unterschiedlich und unverwechselbar jedes von Kitzinger gemalte Gesicht ist, so wenig wird doch suggeriert, die genaue Wiedergabe physiognomischer Details solle Zugang zum Innenleben des jeweils Porträtierten liefern. Es ist Kitzinger also offenbar nicht wichtig, den alten Mythos vom Künstler als Seher zu aktualisieren, dem es gelingen könne, das verborgene wahre Wesen eines Menschen in einem Porträt sichtbar zu machen. […] Es ist, als misstraue er einer Metaphysik von ‹außen› und ‹innen›, von ‹oberflächlich› und ‹tief›. Wer seine Porträts betrachtet, gelangt im Gegenteil zu der Überzeugung, dass das Sichtbare die einzige, zumindest aber die wichtigste und stärkste Realität ist.“

Der vollständige Katalogtext ist hier nachzulesen: Ullrich-Kitzinger

Verwechslungsgefahr (8): Enorm viel Stress

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Die neue Folge meiner Serie über ‚Verwechslungsgefahren“ in der Kunstwelt, die im Magazin Halle 4 der Deichtorhallen Hamburg erscheint, beschäftigt sich damit, dass in Zeiten der Krise sichtbarer als sonst wird, wie sehr erfolgreiche Künstlerateliers nicht anders als mittelständische Unternehmen organisiert sind – und wie sehr sie daher jetzt auch vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen stehen. Die erfolgreichsten, cleversten Künstler-Unternehmer haben sich jedoch bereits umgestellt – und liefern genau das, was viele sich heute von Kunst erhoffen. Nachzulesen hier!

Künstlergespräch mit Simon Rosenthal

simon_rosenthal01-700x467Zwischen Februar und April 2020 führte ich einen Mail-Dialog mit dem Dresdner Künstler Simon Rosenthal. Er war viel kürzer geplant, entwickelte sich aber zu einem größeren Austausch, innerhalb dessen wir viele Themen des aktuellen Kunstbetriebs ansprachen. Leitfaden waren dabei die Werke einer Doppelausstellung Rosenthals, die 2019 in Dresden stattfand. Nun wurde das Gespräch – ein echter Longread! – unter dem Titel „Pandemie des Nichts“ auf der Website von Rosenthal veröffentlicht – und ist hier verfügbar!

Art-Kolumne Mai 2020 – über das Ideal ortsfester Kunst

Auch in diesem Monat stellt der Verlag Gruner + Jahr etliche seiner aktuellen Magazine kostenlos online zur Verfügung – darunter das Kunstmagazin ‚Art‘, in dem ich in einer regelmäßigen Kolumne jeweils zwei Bilder, Werke oder Objekte miteinander vergleiche. Für die Mai-Ausgabe habe ich Arbeiten von Friedrich Overbeck und Daniel Buren ausgewählt, die formal kaum unterschiedlicher sein könnten, denen aber erstaunlich ähnliche Vorstellungen zugrundeliegen. So streben beide Künstler nach einer ortsfesten Kunst, da sie der Überzeugung sind, in einem Atelier entstandene Werke würden zwangsläufig an Qualität und Wirksamkeit verlieren, wenn sie erst an einen – letztlich beliebigen – Ort gebracht werden müssten, um sichtbar zu werden. Die Nazarener plädierten deshalb für Freskenmalerei, Buren für Arbeiten, die ’site specific‘ sind. In meinem Text erörtere ich das – nachzulesen hier: art_kolumne96

Verwechslungsgefahr (7): Alles ist gut

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Die neue Folge meiner Serie über ‚Verwechslungsgefahren‘ in der aktuellen Kunstwelt, die im Magazin Halle 4 der Deichtorhallen Hamburg erscheint, bleibt nicht unbeeindruckt von der Corona-Krise. Schon tauchen nämlich die ersten ‚Home Art Objects‘ auf, mit denen Künstler und Produzenten auf die Krise reagieren. Ob sie jedoch auch nur halbwegs das erfüllen, was üblicherweise von Kunst erwartet wird? Oder ob diese hier mit etwas ganz anderem verwechselt wird? Nachzulesen hier! – (Und diesmal auch zum Hören!)

Art-Kolumnen

Der Verlag Gruner + Jahr reagiert mit der Aktion „Deutschland bleibt zuhause“ auf die Corona-Krise und stellt aktuell vierzig aktuelle Magazine kostenlos online zur Verfügung! Damit sind auch die beiden neuesten Folgen meiner Kolumne im Kunstmagazin ‚Art‘, die ich seit 2011 monatlich schreibe, zugänglich, ich kann sie also – ausnahmsweise – hier veröffentlichen. Prinzip der Kolumne ist es, jeweils zwei Bilder, Werke oder Objekte miteinander zu vergleichen.

Im März-Heft geht es um Art Deco und heutige Sneaker – für mich nicht nur formal zwei sehr ähnliche Phänomene, nachzulesen hier: art_kolumne94

Im April-Heft widme ich mich zeitgenössischen Künstlern, die die gesamte Moderne ablehnen und mit ihrer Kunst zu überwinden suchen. Zwei von ihnen vergleiche ich, mit leicht unterschiedlichem Ergebnis: art_kolumne95

Thomas Nolden: „Ein Bild sind viele Bilder“

Viele Ausstellungen, die coronabedingt zur Zeit nicht stattfinden können, werden ins Netz verlegt, und manchmal erschließen sich dabei sogar Dimensionen eines Werks, die sonst kaum zur Geltung kämen. So hat der Maler Thomas Nolden stellvertretend für eine geplante Ausstellung ein Video gedreht, das den Prozess sichtbar macht, in dem seine Gemälde entstehen. Bildschirmfoto 2020-03-28 um 11.07.32Da das, was in einem Werkprozess geschieht, aber ohnehin schon ein wichtiges Thema seiner Arbeit ist und gerade in einem Leporello (erschienen im Distanz-Verlag) dokumentiert wurde, bietet das Video Einblicke, die wertvoll und ihrerseits unersetzbar bleiben – auch wenn die Ausstellung hoffentlich bald nachgeholt werden kann.

Für das Leporello habe ich einen Text über Thomas Nolden und seine Vergegenwärtigung von Bildprozessen verfasst. Darin entwickle ich die These, dass sich die Fixierung auf das jeweils eine Bild vor allem infolge digitaler Bildpraktiken generell zunehmend auflöst – zugunsten der Wahrnehmung von „Bildprozessen, innerhalb derer jede Variation gleichrangig neben beliebig vielen anderen Variationen steht. Schon bald dürfte die Zweiteilung zwischen statischen und bewegten Bildern keine Rolle mehr spielen, da im digitalen Raum alle Bilder variabel sind. Aus Bildern im Singular werden fortwährende Bildereignisse.“ – Der komplette Text ist nachzulesen unter: Nolden.

(Im Deutschlandfunk sprach Stefan Koldehoff am 25. März 2020 mit mir über virtuelle Museumsbesuche und den Umgang mit digitalisierten Bildwerken – auch da erwähnte ich Formen der (hochauflösenden oder animierten) Reproduktion, die der Begegnung mit dem Original sogar überlegen sein können, zumindest aber eine eigenständige Kunsterfahrung ermöglichen. – Nachzuhören ist das Gespräch hier!)

Verwechslungsgefahr (6): Duchamp ist sein Anwalt

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Die neue Folge meiner Serie über ‚Verwechslungsgefahren‘ in der aktuellen Kunstwelt,  die im Magazin Halle 4 der Deichtorhallen Hamburg erscheint, ist Virgil Abloh gewidmet. Er ist ein Meister des Überschreitens von Grenzen – nicht nur zwischen Kunst, Mode und Design, sondern ebenso zwischen ‚high‘ and ‚low‘. Das aber ist bei ihm vor allem auch politisches Programm – es stellt für ihn als Schwarzen einen Akt der Emanzipation dar. Und es gilt: „Nachdem er zuerst die Disziplinen der weißen Eliten wie Trophäen für sich erobert hat, bringt er nun deren angestammte Ordnung durcheinander.“ – Hier geht’s zum gesamten Text!

Kurze Geschichte des Emojis ‚😱‘

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Im November 2018 hielt ich auf einem von der Universität Düsseldorf veranstalteten  Symposium über ‚Schlüsselbilder‘ einen Vortrag über Edward Munchs „Schrei“ – für mich ein Schlüsselbild hinsichtlich der Möglichkeiten von Wirkungsgeschichte eines Kunstwerks. So lässt sich an diesem Beispiel Aby Warburgs Konzept von Pathosformeln sehr gut plausibel machen und in die Gegenwart – in die Zeiten von Online-Kommunikation – übertragen. Aus Munchs „Schrei“ wurde nämlich nicht nur ein Internet-Mem, sondern  auch eines der am häufigsten verwendeten Emojis. In meinem Vortrag rekonstruiere ich auf der Grundlage von Protokollen von Unicode – der Organisation, die über Emojis entscheidet und sie standardisiert -, wie es überhaupt zu dem Emoji ‚😱‘ gekommen ist. Und ich versuche zu zeigen, wie sich seine Verwendungsweisen seit 2010, als es etabliert wurde, verändert haben, wie dadurch aber das Potenzial der Pathosformel, das Munchs Motiv bietet, erst voll zur Geltung gelangen konnte. – Nun sind die Vorträge des Symposiums im Morisel-Verlag publiziert, meiner ist hier als PDF herunterzuladen: Schluesselbilder_Ullrich (im Buch S. 138-151).