In Memoriam: Axel Kasseböhmer

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Am 9. September 2017 ist der Maler Axel Kasseböhmer gestorben. Wir lernten uns Ende der 1990er Jahre an der Akademie der bildenden Künste in München kennen. Zuerst selten und zögerlich, später aber ziemlich regelmäßig trafen wir uns zu Diskussionen. Meist ging es um Kunst, und ich schätzte die klaren, oft strittigen, immer sehr emotionalen Aussagen Kasseböhmers. Er konnte sich im besten Sinne in Rage reden, was nicht selten zu Monologen im Stil des Fürsten Saurau in Thomas Bernhards „Verstörung“ führte. – Leider ist nur eines unserer Gespräche dokumentiert. Es fand 2005 in Kasseböhmers Atelier statt und wurde ein Jahr später in dem von Wilfried Dickhoff herausgegebenen Band „Axel Kasseböhmer: Landschaften“ veröffentlicht. Es geht darin um Kasseböhmers Anfänge bei Gerhard Richter, um seine Malerei und die von Lucian Freud und, für mich am interessantesten, um Giorgio de Chirico. – In Erinnerung an Axel Kasseböhmer stelle ich dieses Gespräch online, es ist hier vollständig nachzulesen: Axel Kasseböhmer.

Pioniere der Food-Fotografie (II): Erna Horn

20170607-IMG_1371-2Zusammen mit Annekathrin Kohout habe ich ein Projekt begonnen, das den Pionieren der Food-Fotografie gewidmet ist. In der ersten Folge trafen wir Christian Teubner, der in den 1950er Jahren begonnen hat, Essen zu fotografieren. Diesmal besuchten wir Schloss Buchenau im Bayerischen Wald, wo Erna Horn (1904-1981) jahrzehntelang eine Versuchsküche betrieb. Mit zahlreichen Publikationen prägte sie nicht nur die Kochkultur, sondern genauso die Tischsitten oder die Konventionen des Dekorierens. Wir trafen Roman Eder, der sich um den Nachlass von Erna Horn kümmert, und konnten sehr viel Material sichten. Hier geht es zum Bericht darüber.20170607-IMG_1368

Warum die Nazis Angst vor moderner Kunst hatten

Auf dem Blog des Deutschen Historischen Museums frage ich aus Anlass des 80. Jahrestags der Ausstellung „Entartete Kunst“, welches Verständnis von Kunst für diese Denunziation der Moderne leitend war – und was sich daraus für einen angemesseneren Umgang mit Kunst lernen lässt.

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„Auffällig ist vor allem, dass die Ausstellung überproportional viele Darstellungen von Menschen enthielt, hingegen kaum Werke abstrakter Kunst, aber auch nur weniges aus Gattungen wie der Landschaftsmalerei oder des Stilllebens. Mit dieser Auswahl sollte deutlich werden, wie sehr dem Menschen in der Moderne zugesetzt wurde. Dabei warf man den Künstlern der verschiedenen Spielarten von Expressionismus weniger vor, Gesichter und Körper mit ihren Stilmitteln zu verunstalten, als man vielmehr unterstellte, diese seien Folge davon, dass Kretins, Kranke und Idioten als Vorbilder gedient hätten, ja dass es zunehmend mehr missgebildete Menschen gebe. Statt dem aber entgegenzuwirken und sich an den Schönheiten der Vergangenheit zu orientieren, würden die Künstler, selbst schon degeneriert, den Verfall nicht einmal als solchen bemerken oder sich sogar daran ergötzen.“