Vortrag über Theorieprotestantismus (25. Juni 2015)

codde

Pieter Codde: Kunstliebhaber im Atelier eines Malers (1630)

Auf dem Symposium „Die große Kulturmaschine Funk. 60 Jahre Radio-Essay“ hielt Wolfgang Ullrich im Literaturhaus Stuttgart einen Vortrag:

„Vom Glück der Inkonsequenz. Bekenntnisse eines Theorieprotestanten“

Das intellektuelle Klima hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Insgesamt wird Philosophie und Theorie viel weniger zugetraut; Heil oder absolute Wahrheiten erwartet kaum noch jemand davon. Diese skeptisch-distanzierte Haltung kann man als Theorieprotestantismus bezeichnen: Wie ein Protestant alter Schule Bildern gegenüber misstrauisch ist und sie für etwas hält, das Geist und Leben suggeriert, aber doch nur totes, stumpfes Material einerseits und andererseits bloße Fiktion ist, so identifiziert sich ein Theorieprotestant mit der Erfahrung, dass sich der von einer Sentenz oder Theorie in Aussicht gestellte Erkenntnisgewinn als Illusion entpuppt. Doch heißt das nicht, dass keine Thesen und Theorien mehr entwickelt werden. Im Gegenteil! Wie nie so viele Bilder gemalt wurden wie im protestantischen Holland des 17. Jahrhunderts, so wurde vielleicht nie so oft und gerne mit starken Thesen brilliert wie in theorieprotestantischen Ländern des Westens. Gerade auch die Form des Essays hat dadurch eine neue Konjunktur erlangt. – Der Vortrag untersucht aus der Perspektive von jemandem, der sich selbst zum Theorieprotestantismus bekennt, dessen Genealogie, Charakter und Konsequenzen.

Der Essay wird im September 2015 im SWR 2 gesendet werden.

Eine kürzere Version gibt es jetzt bereits hier unter: Theorieprotestantismus

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