Vortrag „Vom Ethos des Kopierens“ am ZIF in Bielefeld (6. Oktober 2015)

tiziano

Zur Eröffnung der Konferenz „Towards an Ethics of Copying“ der am Zentrum für interdisziplinäre Forschung an der Universität Bielefeld angesiedelten Forschungsgruppe „Ethik des Kopierens“ hielt Wolfgang Ullrich einen Vortrag unter dem Titel „Vom Ethos des Kopierens“. Darin widmet er sich vor allem dem Phänomen des Rebloggens von Bildern in Social Media-Plattformen wie Tumblr, das er als Ausdruck eines Inspiriert-Seins deutet. Das Verhältnis zwischen Rebloggtem und Reblogger lässt sich nicht auf ein Handels- oder Rechtsverhältnis reduzieren, vielmehr trägt es Züge von Gunst und Gabe:

„Wer beobachtet, wie in den Sozialen Medien Bilder präsentiert, gepostet und rebloggt werden, Produzenten und Rezipienten sich aufeinander einstellen und voneinander profitieren, hat keine Mühe, von einem Ethos des Kopierens zu sprechen. Jedes Mal, wenn der Reblog-Button geklickt wird, ereignet sich ein Musenkuss. Der eine freut sich, als inspirierend empfunden zu werden, der andere, inspiriert worden zu sein. Und beide wollen, dass das kein einmaliges oder seltenes Erlebnis ist, sondern sich möglichst oft wiederholt. Dabei wird das Zusammenspiel als eines von Gabe und Gegengabe erfahren: Der Reblogger begreift die Inspiration, die ein Bild ihm bereitet, als ein Geschenk – als etwas, das sich nicht konfektionieren und beanspruchen, also auch nicht kommodifizieren lässt. Der Rebloggte umgekehrt empfindet das Glück, das er bereiten kann, seinerseits als ein Geschenk, die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihm mit dem Rebloggen zuteil wird, als etwas, das sich wünschen, aber nicht einfordern oder gar erzwingen lässt. […] Durch die Gunst der Inspiration verschmilzt das, was man rezipiert, mit dem, was man selbst damit assoziiert. So wenig ein Kuss nur einem der Küssenden gehört, so wenig ein inspirierendes Bild nur dem, der es gemacht hat.“

Den vollständigen Vortrag gibt es nachzulesen unter Vom Ethos des Kopierens.

Eine gekürzte Version des Vortrags gibt es hier.

Update vom 5. November 2015: Nun gibt es den Text mit allen Links auch auf dem Blog der Pop-Zeitschrift.

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