Aufsatz „Selfies als Weltsprache“ – und Blogparade

janmotliri Kopie

Für den Katalog zur Ausstellung „Ich bin hier. Von Rembrandt zum Selfie„, die in der Kunsthalle Karlsruhe am 30. Oktober 2015 eröffnet wird, verfasste Wolfgang Ullrich einen Aufsatz unter dem Titel „Selfies als Weltsprache“. Darin entwickelt er die These, dass Selfies vor allem als Instrumente visueller Kommunikation fungieren und in enger Beziehung zu Emoticons stehen:

„Aktuell ist zu beobachten, wie Selfies in ihrer funktionalen Ähnlichkeit zu Emoticons – und beeinflusst von diesen – die Körpersprache und Mimik der Menschen verändern. Je öfter man sich in eine Selfie-Pose begibt, um anderen mitzuteilen, was man gerade erlebt, und je alltäglicher man mit zahllosen Selfies seiner Freunde, aber auch vieler Unbekannter konfrontiert ist, desto deutlicher prägen sich bestimmte Gesten, Kopfhaltungen und Grimassen aus. Als hochmimetische Wesen mit stets aktiven Spiegelneuronen übernehmen Menschen nämlich die stärksten und suggestivsten Ausdrucksformen anderer. Tatsächlich dürfte es in der gegenwärtigen Kultur nichts geben, was genauso wirkungsvoll wie Selfies und die ihnen zugrundeliegenden Emoticons zu einer Modifikation sowie Kodifizierung von Mimik und Gestik beiträgt, sind Menschen doch im Selfie-Modus bewusster und konzentrierter auf ihren Ausdruck bedacht als in den meisten anderen Situationen ihres sozialen Lebens. […] Wie Emoticons sind Selfies dabei, zu einer Weltsprache zu werden, mit der Stimmungen und Situationen überall verständlich kommunizierbar sind. Kulturelle Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung einzelner Gesten und Gesichtsausdrücke nivellieren sich, und nach vielen vergeblichen Versuchen etabliert sich offenbar erstmals in der Geschichte der Menschheit eine universal gültige Form der Kommunikation.“

Dieser Aufsatz wird vorab veröffentlicht unter „Selfies als Weltsprache

Eine gekürzte Vortragsversion gibt es in englischer Sprache unter Selfies as a Universal Language (so vorgetragen am 26. August 2015 auf dem Symposium „‚Autoritratto‘ – self expression in the age of instant communication“ in Venedig)

Ab sofort wird in Vorbereitung und Begleitung zur Karlsruher Ausstellung eine Blogparade unter dem Hasthag #selfierade veranstaltet.

Update 21. Oktober 2015: Es gibt bereits einige Beiträge innerhalb der Blogparade, darunter u.a. von Christian Gries, Anika Meier, Annekathrin Kohout.

Update 24. Oktober 2015: Es gibt weitere Beiträge von Maria Männig und Anke von Heyl, die Wolfgang Ullrich jeweils auch kommentiert hat.

Update 1. November 2015: Weitere Beiträge u.a. von Tanja Praske und Wibke Ladwig. – In ihrer Rezension zur Ausstellung „Ich bin hier. Von Rembrandt zum Selfie“ in der Süddeutschen Zeitung setzt sich Kia Vahland ebenfalls mit dem Aufsatz von Wolfgang Ullrich auseinander.

Update 30. November 2015: Am 25. November 2015 fand in der Kunsthalle Karlsruhe eine Veranstaltung unter dem Titel „Selfies, Emojis und die Verwendung von Bildern in den Sozialen Netzwerken“ statt, bei der, moderiert von Christian Gries, Wolfgang Ullrich mit Anke von Heyl, Pia Müller-Tamm (Direktorin der Kunsthalle) und Alexander Eiling (Ko-Kurator der Ausstellung) diskutierte. Ullrichs Impulsvortrag sowie die gesamte Diskussion gibt es anzuschauen hier.

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